Vier oder fünf Spritzen aus dem Dorfe und aus den Nachbarorten waren da. Sie hatten sich bemüht, als die Scheuern brannten, das Wohnhaus und das Gesindehaus zu retten. Das war ihnen auch gelungen, denn der Wind war günstig. Aber die Giebel waren geschwärzt, die Fensterscheiben zerplatzt.

Und abseits von denen, die das Unglück traf, stand die Menge mit ihren Gefühlen. Ein lähmender Schreck hatte sie aus den Stuben gerissen, als die Glocke vom Turme wimmerte und der Feuerruf durch die Gassen heulte. Aber als sie sich überzeugten, daß sie selbst nicht in Gefahr seien, legte sich die Angst sehr rasch. Mitleid kam, Lust zu helfen, Lust zu schauen, Lust was zu erleben. Niemand von diesen Leuten war müde, alle belebte die Sensation, und so kam es auch hier wie immer, daß dicht neben das Grauen und die Vernichtung der Humor sich unter die Gaffer stellte und sich sein Sprüchlein leistete. Jetzt war nichts mehr zu retten; aber immer, wenn eine neue Spritze ankam, trat sie mit in Tätigkeit, und so fuhren die Wasserstrahlen in den rettungslos weiter brennenden Stall lustig hinein und erzeugten viel Zischen und Dampf.

Zu ganz später Zeit, als das Feuer schon nachließ, kam die Spritze eines Nachbarortes, der nur eine Viertelstunde weit entfernt lag.

»Die sind auch schon munter!« sagte einer laut.

»Um die is 's nich schade,« bemerkte sein Nachbar ebenso vernehmlich. »Der ihre Spritze is a Unikum. Bei der vertrocknen im Sommer immer die Messingventile.«

Die verspäteten Rettungsmannschaften machten ob solch vorlauter und sehr applaudierter Rede grimmige Gesichter. Aber da die Spötter recht behielten, mühten sie sich ein wenig um ihre Spritze ab, pumpten, schraubten, rüttelten, besahen sie mit verständigen Mienen von allen Seiten, überzeugten sich aber, daß nichts zu machen sei, und fuhren deshalb kopfschüttelnd wieder heim. Und das schöne Bewußtsein, das Gute wenigstens gewollt zu haben, begleitete sie.

Dort, wo die Weiber standen, war viel Lärm. Jede hohe, stolze Flamme wurde mit viel Geschrei begleitet; über alles, was geschah, wurde laut verhandelt, gezetert, gejammert oder gelacht.

Als Mathias Berger den Heinrich ins Haus trug, wurden Rufe des Mitleids laut, auch als Frau Anna müde und krank über die Straße geschritten kam. Aber als Berger den Stuhl und die Decke holte, zwinkerten sich ein paar Weiber wortlos zu.

Und dann schritt der Bauer Raschdorf schweigend an ihnen vorbei, ohne sie anzusehen.