Die Weiber sahen ihm nach und atmeten schwerer; aber sie schwiegen, bis er weit genug war. Dann wollten sie alle gern über ihn reden, aber keine hatte den Mut, anzufangen. Nur zögernd, tropfenweise beginnend, aber immer anwachsend, entstand ihre Rede, wie ein kunstgerecht gezogener Wasserfall.
»O je,« seufzte die Mutigste und Ungeduldigste.
»Den trifft's auch ordentlich,« sagte eine zweite.
»Nu, da!« sagte eine dritte. »Und wenn man bedenkt, wie er doch – wie er doch eigentlich –«
Pause. Sie mochte nicht vollenden – die dritte. Aber alle waren gespannt, geladen, übervoll von innerem Rededrange.
Inzwischen stürzte abermals eine Mauer dröhnend zusammen. Eine Schuttwolke, durch die Millionen Funken blitzten, fuhr wirbelnd in die Höhe. Die Weiber waren bei dem Knall zusammengefahren, aber sie vergaßen deshalb nicht, was sie bewegte. Ein paar Sekunden sahen sie nach dem rauchenden Trümmerhaufen, dann kehrte ihr Interesse zu Hermann Raschdorf zurück.
»Na, Gott verzeih' mir die Sünde!« sagte wieder die Erste, Mutigste, Ungeduldigste. »Man soll ja keinem was Schlechtes nachsagen, überhaupt bei so was, aber stolz war der Raschdorf –«
Sie konnte nicht vollenden, der Bann war gebrochen, die Schleuse gezogen, die Fluten dröhnten. Es war ein Chaos. Da kam über den Garten eine häßliche, dürre Frau daher. Sie stellte sich zu ihren Mitschwestern, hörte ihr Lärmen und lächelte fein. Das waren ja alles dumme Gänse gegen das, was sie wußte.
Allmählich brauste der Wasserfall schwächer – verlief sich. Die Weiber sahen die Neue an. Sie ahnten mit feinem Instinkt, daß sie etwas Besonderes wisse.