Ein grauer Herbstmorgen kam. Die Spritzen und alle die neugierigen Zuschauer waren fort. Mathias Berger und August Reichel trugen aus dem Garten die letzte Truhe ins Wohnhaus. Als sie den schweren Kasten aufheben, sah Berger, daß ein umgebrochenes, hölzernes Kreuzlein darunter lag; darauf stand zu lesen: »Hier ruht unser liebes Hühnchen.«
Von der Herrschaft war nichts zu sehen. Die Frau lag schwerkrank zu Bett, und der Herr hatte sich in eine Stube eingeschlossen. Auf einem Sofa in feuchten Kleidern lag Magdalene Raschdorf und schlief. Sie hatte rote Wangen und lachte im Traum. Zwei Schritte davon entfernt hatte sich Hannes auf die bloße Diele gebettet und lag regungslos wie ein Toter.
Heinrich stand draußen mitten im Schutt. Ein Mädchen näherte sich ihm und sah ihn mit großen Träumeraugen lange an.
»Heinrich!«
»Du – ach Du bist's, Schräger-Lotte!«
Sie kam näher und sah ihm mit tiefer Teilnahme ins Gesicht. Er schlug die Augen nieder und preßte die Lippen fest aneinander. Er wollte sich beherrschen. Da faßte sie ihn am Arm und lehnte den blonden Mädchenkopf an seine Schulter.
»Es tut mir leid um Euch, Heinrich! Ich hab' die ganze Nacht geweint. Deine Mutter war bei uns und hat auch so geweint.« Sie schluchzte.
Da hielt er sich nicht länger, ein krampfhafter, dumpfer Schrei kam ihm vom Munde.
»Lotte! Jetzt – jetzt wissen wir nicht mehr, wohin.«