Am 5. Januar war das Begräbnis. Hunderte und Aberhunderte von Zuschauern füllten den Friedhof. Der Geistliche sprach die üblichen Gebete. Dann mußte die Rede kommen. Aller Augen hingen an dem Munde des Priesters. Klar und deutlich sprach er:
»Wir beten für den Verstorbenen und alle, die mit ihm hier schlummern, jetzt noch ein Vaterunser.«
Und sonst kein Wort. Bald nach dem Vaterunser ging der Geistliche fort. Nicht einmal die übliche Danksagung für das »christliche Trauergeleite« sprach er. Mathias Berger hatte sich außer der Einsegnung des Grabes alles andere namens der Hinterbliebenen verbeten, auch die Danksagung. Die Leute, die da hinkämen, meinte Berger, kämen aus Neugierde und nicht aus Teilnahme, für die Neugier aber brauche sich niemand zu bedanken.
Eine große Enttäuschung bemächtigte sich der Teilnehmer am Begräbnis, und die Männer suchten sich in etwas zu entschädigen und gingen ins Wirtshaus.
Dort wurden dann dem toten Hermann Raschdorf viele Leichenreden gehalten.
Drüben im Buchenhof saß ein kleiner Kreis von Menschen und beriet über die Zukunft: Frau Anna, Heinrich, der alte Kantor, der Schaffer und Mathias Berger.
Und auch der Lumpenmann hielt eine kleine Leichenrede. »Heinrich, wenn Dir amal jemand sagt: Dein Vater hat sich erschossen, da sag': Ja, a hat sich erschossen, aber ob a 's freiwillig gemacht hat oder ob a verunglückt is, das weiß der liebe Herrgott alleine. Aber wenn Dir jemand sagt: Dein Vater hat sich selber angezünd't, da spuck' ihm ins Gesichte, denn das is die höllischste Lüge von der Welt. Wer angezünd't hat, das wird noch amal lichterloh rauskommen. Und nu will ich noch was sagen: der Buchenhof bleibt 'm Heinrich. A wird nich verkauft!«
Frau Anna sah Berger wehmütig an.
»Der Hof muß verkauft werden – bald! Schräger hat seine 20 000 Mark gekündigt und der Müller seine 5000 Mark. Jetzt borgt uns niemand zur letzten Hypothek hundert Taler.«