Schweigen. Nach fünf Minuten griff Amtsrichter Knopf die letztgenannten Ziffern auf und sagte:
„Sie arbeiten mit elf Prozent.“
„Elf Prozent gibt ja das Gesetz nicht zu“, bemerkte der Erbscholtiseibesitzer Hirsemann mit einem Blick auf den Amtsrichter.
Der schüttelte den Kopf, was in diesem Falle „ja“ und „nein“ heißen konnte. Da ergriff der Lehrer Herder wieder das Wort und sagte:
„Entschuldigen die Herren, wenn man mit 1000 Mark kauft und mit 12 000 Mark verkauft, so sind das nicht elf Prozent, sondern elfhundert Prozent Gewinn.“
Sie starrten ihn alle an wie leblos. Nur Bäckermeister Schiebulke, der gerade trank, verschluckte sich. Der Amtsrichter geriet ins Grübeln. Seine Seele wanderte zurück bis etwa in die Tertianerzeit, und dann sagte er:
„Ja, natürlich, es sind nicht elf, sondern 1100 Prozent.“
Da hoben sich die Fäuste, um auf den Tisch zu donnern, aber diese Überraschung war zu groß und schwer; die Hände sanken still herab ...
Was die allergrößte Hauptsache war: Neustadt, das den Namen Waltersburg zum großen Ingrimm der Mutterstadt nach und nach ganz abgestreift hatte, war auf dem besten Wege, ein aufblühender Badeort zu werden. Zwei „Quellen“ waren entdeckt worden, von denen die eine „Kaisersprudel“, die andere „Felsensprudel“ hieß, und die beide nach dem Gutachten eines sachverständigen Professors aus der Hauptstadt „hervorragend radioaktiv“ waren. Die Neustädter feierten Siegesfeste, während die Waltersburger vier Wochen lang brauchten, ehe sie das Wort „radioaktiv“ richtig aussprechen konnten, und natürlich auch dann noch nicht wußten, was das sei.
Humbug sei es, meinte der Amtsgerichtsrat, und wenn man dieser Auslegung auch viel Beifall zollte, so verschafften sich doch einige Waltersburger heimlich je drei Flaschen von den neuen Sprudeln, und abends wurde im „Löwen“ statt der sonst so beliebten Weinprobe eine Wasserprobe abgehalten. Der Pfropfen der ersten Flasche flog mit einem Knall gegen die Decke.