Krieche zur Hölle zurück, zum Satan, von dem du gekommen,
Nie mehr soll dich erblicken mein schwer beleidigtes Auge,
Einzig soll es sich freuen am goldenen Schimmer des Weizens!“
Daraufhin hat der Gärtner Herrn Knut Waterstream belehrt, daß das, was er als Weizen anspreche, in Wirklichkeit junger Kopfsalat sei und daß sich gegen das Unkraut mit Beschwörungen nichts ausrichten lasse. Man müsse das Zeug Stück für Stück mit der Wurzel aus der Erde herausziehen; anders gehe es nicht.
„Lieber Freund“, hat da Knut Waterstream mit melancholischer Stimme erwidert, „wir verstehen uns nicht!“
Dann ist er gesenkten Hauptes nach Hause gegangen.
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Es soll der Sänger mit dem König gehen. Sänger hatten wir von Anfang an genug; am 10. Mai kam der König an. Ein wirklicher König war es zwar nicht, aber immerhin der Bruder eines regierenden Fürsten, eine Hoheit. Um diese Zeit versandte unser Propagandachef, Herr Levisohn, folgende Notiz an dreihundert Zeitungen:
„Der Andrang nach der Kuranstalt ‚Ferien vom Ich‘ zu Waltersburg, der besten und originellsten Heilstätte der Welt, ist enorm. Die ermüdete Intelligenz flüchtet in unseren Frieden; die heimatlosen Kinder der Welt kommen auf ein Weilchen zurück ins grünbelaubte Mutterhaus der Natur. Künstler von Weltruf, Mitglieder europäischer Regentenhäuser sind bei uns eingekehrt. Wie romantisch, wenn ein Heldentenor, der vergötterte Liebling allen Volkes, bei uns als schlichter Nachtwachtmann mit funkelndem Speer und silbernem Horn durch die im Sternenschein liegenden Gassen schreitet, die Stunden singend, wie es in alten Tagen geschah, oder wenn er einer heimlich geliebten schlummernden Dame sein Troubadourlied singt; wie rührend, wenn ein gefeierter Schauspieler voll Lust und mit nie ermüdender Emsigkeit seine Gärtnerarbeit verrichtet; wie ergreifend, wenn der Allerhöchstgeborene Herr, dessen Wink das ganze Land gehorcht, auf dessen Stimmungen die Welt achtet, im demütigen Bauernkleide, von niemand erkannt, seiner ländlichen Tätigkeit nachgeht! Wahrlich, die Kuranstalt ‚Ferien vom Ich‘ ist ein Triumph der Menschheit, ist der Sieg über das Unglück, ist ein Paradies auf Erden!“
Als ich diesen Erguß in den Zeitungen las, wußte ich: auch unser Levisohn war ein Dichter. Einer von blühender Phantasie.