Die Arbeit war getan; ich war frei. Eigentlich wollte ich ja hinauf zum Hirtenhaus, aber ehe ich mich’s versah, schlenderte ich doch wieder zum Forellenbauer hinab. Ich redete mir ein, ich müsse mich um mein Sorgenkind Piesecke bekümmern, und so nebenbei könne ich ja nach Eva fragen, deren kranker Fuß allerdings von einem Kollegen behandelt wird. Das Mädchen saß vor der Haustür auf der grüngestrichenen Bank und putzte Gemüse. Sie heißt hier einfach „Hanne“. Einen Familiennamen führt sie nicht, ebensowenig wie Anneliese, die sich in „Bärbel“ umgetauft hat.

Am Hoftor blieb ich stehen. Ein liebliches Bild! Abendsonne bestrahlte das schöne Mädchen, eine weiße Taube saß auf der Rückenlehne der Bank, ein goldgefiederter Hahn blinzelte mit seinen Äuglein zu dem Mädchen empor, wartend, ob für ihn etwas abfalle. Dann kam der große Zottelhund, wedelte mit seinem buschigen Schwanz den Hahn gutmütig, aber bestimmt zur Seite, nahm dessen Platz ein und saß in stummer Bewunderung vor der schönen Frau.

Und noch ein anderer schaute verliebt zu dem Mädchen hin, das war Piesecke, der an der Stalltür lehnte und [pg 198]eine Sense in der Hand hielt. Oh, den armen Piesecke scheint es ganz arg erwischt zu haben. Er verdrehte die Augen und seufzte einmal so laut, daß man es über den Hof hinweg hörte. Ich ärgerte mich über den Menschen.

Gleich wurde mir eine Genugtuung. Eine derbe Faust kam aus der Stalltür heraus, gab dem träumenden Piesecke einen Stoß in den Rücken, daß er samt seiner Sense in den Hof taumelte, und eine rauhe Stimme rief:

„Schlaf nicht, du Döskopp! Mach, daß du aufs Kleefeld kommst!“

Die schöne Hanne blickte auf und lachte, Piesecke geriet in Wut, fuchtelte mit seiner Sense ein wenig vor der inzwischen geschlossenen Stalltür herum und ging dann niedergeschlagen über den Hof. Am Tor traf er mich.

„Das ist eine Gemeinheit“, sagte er und hatte Tränen in den Augen.

„Piesecke“, tröstete ich ihn, „ich bin Zeuge dessen gewesen, was jetzt vorfiel. Das ist gegen jede Ordnung, ist gegen den Sinn unseres Ferienheims. Der Knecht Ignaz hat sich gegen einen Kurgast solche Frechheiten nicht herauszunehmen. Ich werde energisch mit dem Bauern reden. Oder soll ich Sie auf einem anderen Hofe unterbringen?“

„Um Gottes willen nicht“, rief Piesecke erschrocken; „ich – ich – da hielte ich’s ja gar nicht aus auf einem anderen Hofe ... ich – ich hab mich ja schon so – so – an den Grobian gewöhnt.“

Und er ging gesenkten Hauptes mit seiner Sense davon.