Eva saß im Scheine der großen Hängelampe und durchblätterte das Album. Sie sagte nicht viel, aber mit einem Male rannen große Tränen über ihre Wangen. Dann wischte sie sich energisch das Gesicht ab und sagte:

„Nein, ich darf mich wohl nicht allzusehr unterkriegen lassen. Aber diese Bücher sind herrlich. Sie werden mein liebstes Besitztum sein. Alle, alle sind drin – nur einer fehlt. Ignaz, warum sind Sie nicht auf einem einzigen Bilde? Mir ist das aufgefallen.“

Ignaz, der am Ofen lehnte, wandte sich weg und drückte die Wange gegen die Kacheln des Ofens. „So ein [pg 284]ekliger Kerl, wie ich, ist nicht für Bilder“, sagte er mit seiner knurrenden Stimme. Aber es klang wie ein Schluchzen darin.

„Es tut mir leid, Ignaz“, sagte Eva freundlich; „Sie waren gut und treu zu mir!“

Da ging der Knecht stumm zur Tür hinaus. Ich sah, wie der Kurgast „Steiner“, von dem ich nun wußte, daß er ein Detektiv war, dem langen Ignaz mit einem messerscharfen Blick nachschaute.

Barthel hatte zu Ehren des Abends ein Fäßchen Moselwein angezapft und hielt eine Rede:

„Meine Damens und Herr’n! Der heutige Abend is nich so wie sonst, sondern anders. Es is ein ernster Abend, weil Fräul’n Hanne fortzieht, und deshalb hab ich Sie zu einem Gläschen Wein eingeladen, und ich wünsche, daß er Ihnen allen recht wohl bekommen möge. Wir sind alle sehr traurig; denn wir verlieren Fräul’n Hanne sehr, sehr ungern.“

Der Redner wurde unterbrochen. Frau Susanne weinte und prustete so heftig, daß sie sich zur Tür hinaus retten mußte. Auch Barthel fuhr mit der Hand nach den Augenwinkeln.

„Sehen Sie, meine Herr’n, meiner Alten geht es auch nahe. Eine Zeitlang – ich kann das wohl jetzt ruhig sagen – is sie wegen Fräul’n Hanne und mir eifersüchtig gewesen. Aber es war bloß blinder Lärm; ich weiß doch, was ich mir schuldig bin!“

Wieder eine Unterbrechung. Zwei Herren und eine Dame hielten sich das Taschentuch vor den Mund.