Es war noch nicht spät, wir waren im Poetenwinkel allein, die Feriengäste noch alle beim Abendbrot. Als wir mit dem allerbesten Wein, den der Herbergsvater besaß, angestoßen hatten, sagte Stefenson so ganz nebenher zu mir:
„Daß der Kerl von der ‚Umschau‘ zwei Mark für die Zeile der gefälschten Verlobungsnotiz von Ihnen genommen hat, war unverschämt. Eine Mark wäre auch genug gewesen.“
„Woher wissen Sie den Preis?“
„Na, ich war doch drüben in der Redaktion.“
„In der Zeitung? Wann? Heute nachmittag?“
„Ja, natürlich! Ich witterte etwas und wollte wissen, woher die ‚Umschau‘ die große Neuigkeit habe, und da kriegte ich mit Hilfe einiger Überredungskunst und einigen Papiergeldes den ganzen schönen Schwindel heraus.“
„Das ist infam!“ rief ich.
„Er hat alles gewußt“, sagte fassungslos die schöne Eva.
„Jawohl, alles!“ schmunzelte Stefenson. „Dann, als ich von Neustadt zurückkam, ging ich gleich wieder zu unserem Herrn Doktor, und als mir der so ganz geschickt und ganz und gar unauffällig suggerierte, ich solle doch durchaus mal zu der alten Sibylle gehen, da sagte ich mir: Hm, da ist was dahinter! Da werden die Schlau[pg 366]berger mit dir wohl noch was vorhaben. Und ich ging zu der alten Sibylle.“
„Er hat mich sofort erkannt“, klagte Eva. „So schlecht habe ich gespielt.“