„Was gefällt Ihnen nicht?“
„Daß Sie Ihre Zeit mit solchem Familienkrimskram vergeuden.“
„Erlauben Sie, das ist doch wohl meine Sache.“
„Ihre Sache und meine Sache. Sie haben jetzt keine Zeit für solche Dinge. Es paßt nicht in unser Programm. Sie haben selber gesagt, zu unserem Ferienheim gehöre vor allen Dingen die Erlösung von drückenden familiären Fesseln. Ist das keine Fessel, die Sie am Fuß schleppen? Jetzt, wo wir in der allerschwersten Gedankenarbeit stehen müßten, fahren Sie einem kleinen Mädel nach. Was liegt der Welt an dem kleinen Mädel? An Ihrem Ferienheim soll ihr etwas liegen.“
„Ich glaube, Herr Stefenson, so eng sind wir denn doch noch nicht miteinander verbunden, daß Sie in dieser Weise mit mir reden dürfen.“
„Ich darf“, sagte er phlegmatisch. „Ich habe in Ihnen so etwas wie einen Propheten gesehen – die Propheten gehen aber in die Wüste, ehe sie öffentlich auftreten, nicht nach Berlin – die Apostel verlassen Weib und Kind – der Soldat, der in den Krieg zieht, darf nicht rückwärts schauen, er sagt: Was schert mich Weib, was schert mich [pg 72]Kind? Der Familiensimpel bleibt immer ein mittelmäßiger Kerl.“
Ich erhob mich und wollte ihm grob kommen. Aber ich setzte mich wieder, sah auf einen Augenblick in seine ehrlichen, quellklaren Augen und sagte dann: „Sie haben vielleicht in manchem recht, Mister Stefenson, aber im ganzen sind Sie doch im Unrecht. Wenn ein Soldat in den Kampf ziehen soll und am Fuß eine Beule hat, wird er danach trachten, daß ihm erst ein Arzt die Beule öffnet und die Wunde säubert und verbindet, ehe er marschiert. Sonst bleibt er eben am Wege liegen. So geht es mir auch. Ich muß mir erst diese Angelegenheit mit meiner kleinen Nichte vom Halse schaffen, ehe ich an unsere Aufgabe gehen kann.“
„Gut, so schaffen Sie sich die Angelegenheit vom Halse – morgen vormittag zwischen neun und elf. Um elfeinhalb können wir dann unsere Beratung haben.“
„So rasch geht das nicht.“
„Wie lange kann es denn dauern?“