Der göttliche Freund Mariens von Magdala fiel mir ein. Wie hätte er wohl gehandelt in meinem Falle? Hätte [pg 141]er die Arme beiseitegestoßen, sich einen Beamten kommen lassen und sich hinter „gesetzliches Recht“ verschanzt? Wäre er dann weitergefahren, fast hinweg über den zuckenden Leib, und hätte er der Fliehenden nachgeschaut vom sicheren Fenster aus, mit hochmütigem Abscheu in der Seele? Oder wäre ihr der Meister nachgegangen, hätte sie an der Hand genommen und ihr, wenn sie guten Willens war, ein Zweiglein vom verlorenen Mutterkranz wieder versprochen, ihr ein klein wenig goldene Kindesliebe für die Zukunft verheißen?
Ferien vom Ich!
Ich werde mich vor allen Dingen erlösen müssen von allem kalten Hochmut des Herzens und allem auch noch so „gesetzmäßigen“ Zurückstoßen der Schwachen und Schuldigen ...
Bauernanwerbung
In S. mieteten wir einen Wagen und ein Pferd und machten ein paar ergebnislose Besuche auf den umliegenden Dörfern. Wie die Werber für eine Freiwilligenlegion kamen wir uns vor. Auf der Landstraße trafen wir aber eines Tages ein Bäuerlein, das in einem großen bunten Taschentuch allerhand Waren eingepackt trug, die es wohl auf dem Markte erstanden hatte.
Ich schaute den Bauern prüfend an. Er hatte ein offenes, nicht unkluges Gesicht. Und der Mann ging zu Fuß und trug sein kleines Paket. Das war einer für uns. An die reichen schlesischen Bauern konnten wir uns nicht wenden, die hätten uns ausgelacht mit unserem Pachtangebote. Kleine Landwirte mußten es sein, die auf ihrer engen Scholle ein kümmerliches Leben führten und froh waren, in eine gute Pachtung zu kommen.
Stefenson hielt das Pferd an.
„Wollen Sie mitfahren?“