»Gewiß, Herr Konsul, einer von denen, die gut schaffen und toll genießen. Da es zu letzterm nie langt, wird spekuliert, und geht dies einmal fehl ...« Eine Gebärde vollendete und ließ unabsehbare Möglichkeiten ahnen.
»Sie haben wohl recht getan«, sagte Malte. »Und doch ... diese Zeit ... Sagen Sie, Herr Häberle, spekulieren Sie nicht?«
»Ich, Herr Konsul?« Häberle trat einen Schritt zurück. »Ich halte das für unvereinbar mit meiner Stellung.«
Malte begütigte ihn schnell, er wußte, daß Häberle strenge Grundsätze hatte, das war bei einem Beamten schätzenswert. Jedoch ... Der Zweifel stand merkbar hinter Maltes Worten. »Sie sind doch ein tüchtiger Kaufmann, Herr Häberle.«
»In dieser Zeit aber höre ich auf die Stimme hier innen, Herr Konsul. Geld bedeutet kein Abgelten der Arbeit mehr und erlaubt vor allem kein Umsetzen toter Werte in ideelle. Wo das aufhört, fängt der Abgrund an.«
Malte sah ihn scheu an, sein Blick flüchtete von dem redlichen Gesicht des Mannes zu irgendeinem Gegenstand im Zimmer. Ein unbehagliches Gefühl quälte ihn. »Bitte, setzen Sie sich doch. Wie denken Sie sich den Ausgang?«
»Sie erlauben mir, meine besondere Meinung zu äußern, Herr Konsul. Nun, unsre Verbindung mit dem Ring gefällt mir nicht. Uns ist eine böse Rolle von jenem zuerteilt. Dieses Lauern von einer Ernte auf die andre, in dem wir den ehrlichen Makler abgeben, ist ein Verbrechen. Tausende können nicht das Geld für Zichorie, Gerstenkaffee oder gar Brot aufbringen, und die Getreidebörse spielt mit dem Allernotwendigsten. Daß sich die Menschen dies Spiel internationaler Federstriche gefallen lassen, zeugt von ihrer Verdummung, und auch das, daß sie den Bauern dafür hassen. Als ob der schuld hätte!«
»Sie sprechen sehr kühn«, sagte Malte. »Wollen Sie nicht mehr mitmachen?«
»Ich diene dem Hause Treß«, entgegnete Häberle einfach. »Und weil ich das aufrichtig tue, so würde ich es wie keiner bedauern, wenn die Beteiligung an diesem Spiel uns unglücklich machen sollte. Besser, sich zeitig zurückziehen, als plötzlich ausgeschieden werden.«
Malte horchte auf, als Häberle von einer Handlung berichtete, die dem großen Ring angeschlossen gewesen sei und die man unter einem nichtigen Vorwand abgelöst hatte. Er spürte alle Bedenken, die ihn nachts umtrieben, sich regen. Doch nur einen Augenblick gewann der nächtliche Spuk über ihn Gewalt. Balzer Treß! dachte er. Überhaupt wir Treß! Verzagtheit ist der Vorläufer der Niederlage. Er straffte seine Gestalt. »Es besteht wirklich kein Grund zur Sorge«, sagte er fest. »Sie sind ein Schwarzseher, lieber Häberle. Geben Sie acht: wenn Sie aus Ihrem Urlaub zurückkommen, werden Sie anders denken.«