Mellin versprach es, und Güldenfey ging beruhigt nach oben.
Doch als am nächsten Morgen Mellin einen Blick in den Geschäftsraum schickte und das unruhige Treiben derer sah, die für nichts Zeit zu haben schienen, kehrte er um und betrat die Sparkasse.
Menschen aller Art drängten sich um die Schalter: dürftige Frauen in Umschlagetüchern; ergraute Herren in fadenscheinigen Röcken, in deren Aufschlägen das vertragene Ordensbändchen prangte; Männer, die ein Tuch um den Hals geschlungen hatten. Die Schreiber an den Pulten blätterten in gewaltigen Büchern, stießen die Federn in die Tintenfässer, daß es spritzte, und schrieben lange Zahlenreihen nieder. Der Mann am Kassenschrank trug eine Perücke über dem spitzen Gesicht; hinter ihm saßen einige Leute, die schmutzige Scheine zählten und bündelten. Eine schwerdunstige Luftschicht füllte den Raum.
»Wieviel?« fragte der Mensch, dem Mellin das Sparbuch reichte.
Mellin nannte die Summe. Der Mensch blickte in das Buch, sah den Langbärtigen an und begann in seinen Registern zu blättern.
»Wollen Sie nicht alles abheben?« fragte er.
Mellin schüttelte den Kopf: »So viel, wie ich sagte.«
»Es hat gar keinen Zweck«, sagte der Schreiber. »Morgen sind Sie doch wieder hier, und wir haben doppelte Arbeit.«
»Ich dächte, das sei Ihr Amt«, sagte Mellin. »Übrigens werde ich morgen nicht hier sein.«
Der Schreiber hob die Schultern und schrieb. Mellin reihte sich in die Kette derer, die sich zur Kasse schoben. Es dauerte lange, bis er darankam; endlich stand er vor dem Zahltisch. Die brauenlosen Augen des Kassierers musterten ihn flüchtig, dann händigte er ihm Buch und Scheine aus.