Das Licht in Maltes Stube brannte. Da lag die Depesche. Malte streifte den Mantel ab, ergriff das Papier und öffnete es nicht; er wog es in der Hand. Dann fühlte er Häberles Blick, und er riß den Heftstreifen auf.
Er las, setzte sich und las wieder.
»Die Interessen unsers Ringes fordern, daß das Gesetz, das die Partei Ihres Herrn Bruders zu fördern sucht und für das sie im Volke Stimmung macht, nicht getätigt wird. Wir erwarten von Ihnen, daß alles aufgeboten wird, ein Zustandekommen zu verhindern. Sie werden wissen, was Sie zu tun haben. Ich bitte um schnellsten Bericht, daß Sie Ihren ganzen Einfluß aufgewendet haben.«
Der Name Usadel stand wie ein drohendes Handzeichen unter diesen Worten. Malte wandte das kleine Blatt, las noch einmal, dann wurde ihm Häberles Anwesenheit wieder fühlbar.
»Nichts, was augenblickliche Entscheidung verlangt«, sagte er. »Wir sprechen noch darüber. Morgen früh verreise ich auf zwei Tage.«
Er war in Berlin und suchte Harros Behausung, in der er noch nie gewesen war. Sie lag irgendwo im westlichen Stadtteil, der eine Welt für sich bildete und mit dem alten Berlin eigentlich nichts zu tun hatte. Endlose Straßenzüge von der Gleichförmigkeit des triebhaft Gewachsenen, hastende Menschen, Tropfen eines namenlosen Stromes.
Endlich hatte er das Haus an der Grenze eines andern Gemeindewesens gefunden. Er klomm in das dritte Stockwerk empor und fand Harros Karte an eine Tür geheftet. Er läutete.
»Ich möchte Herrn Doktor Treß sprechen.«
Er erhielt den Bescheid, daß Harro nicht daheim sei; es sei unbestimmt, wann er zurückkehre.