Nein, er verstand nichts von der Musik und hatte diesen Mangel nie bedauert. Doch dieses Ausruhen in Tönen war etwas Besonderes. Hier war keine neuerunglüsterne Menge: diese alle waren gekommen, um wie Flüchtlinge die Verborgenheit zu suchen. Im Grunde trug er die gleiche Wunde wie sie, etwas verband ihn mit diesen geladenen Armen, ihn, den ungeladenen Reichen.

Er fühlte sich von einem seltsamen Staunen befangen, als er Jörg hörte: das war kein Werben um die Gunst der Menge, das war Mitteilen eines königlichen Guts, zu dem er sich verpflichtet fühlte. Wie überragend hoch war dieser jüngste Treß gewachsen, den vor vier Jahren er, Malte, noch so gering bewertete!

Plötzlich fühlte er es kühl auf sich zudrängen wie einen frostigen Luftzug. Eine Bewegung neben ihm entstand. Malte sah unwillig zur Seite. Wer schob sich da heran? Häberle!

»Herr Konsul,« sagte Häberle leise, »ich glaubte, Sie aufsuchen zu müssen. Ein dringendes Telegramm. Usadel.«

Der Name schnitt wie ein Messer in die Stille. Etwas zerriß.

»Ich komme.«

Vorsichtig schob sich Malte durch die enge Zeile, die ihm Häberle bahnte, dem Ausgang zu. An der Tür blickte er noch einmal zurück wie einer, der von einer großen Stunde Abschied nimmt. Wie zärtlich das Cembalo tönte! Wie andachterfüllt diese Menschen in das ferne Reich hineinlauschten! In uns sollte es sein? Nein, es war sehr weit, und in uns war der Unfriede.

Wem gehörten die Augen, die ihn feindlich musterten? Ach, diese Frau Jobst! Ihre Blicke irrten zur Seite, da sie sich begegnet sahen. Er hätte sie ansprechen mögen, ihr irgend etwas sagen können, doch sie wandte sich von ihm ab. Wie hatte Jörg zu ihm gesagt? Du bist kein Wirklichkeitahner. Das Wort brannte plötzlich in ihm.

Doch, doch! Die Wirklichkeit rief ihn. Usadel. Es strömte etwas von diesem Namen auf ihn über, das ihn frösteln machte. Hastig schritt er durch die Straßen seinem Hause zu.

»Sie kommen wohl mit mir, Herr Häberle. Es wäre möglich, daß wir noch eine Bestimmung treffen.«