»Er wird zu sprechen sein.« Jörgs Arm preßte die Tür, die sich schon wieder schließen wollte, zurück. »Erlauben Sie,« sagte er, »man darf eine Dame nicht auf der Straße warten lassen. Güldenfey, bitte!«

Sie betraten den Hausflur, der wohl als Warteraum gedacht war. Man blickte durch hohe Fenster auf den Hof und auf alte Bäume eines dahinterliegenden Gartens. Jörg überhörte geflissentlich die Lüge des hochmütig, gekränkt Dreinblickenden, Herr Usadel sei gar nicht anwesend.

»Wollen Sie melden: Herr Treß. Fräulein Treß wird mich erwarten. Oder ...« Er bot Güldenfey den Arm und schritt an dem Bedienten vorüber den Stufen zu, die zu den Gemächern führten.

Geschmeidig wie ein Panther glitt jener voraus und verschwand hinter einer halbgeöffneten Tür. Man hörte ihn in dem zweiten Zimmer, in das man blicken konnte, leise, doch erregt sprechen. Eine Stimme antwortete ihm, dann erschien er in der Tür und machte eine Handbewegung. Jörg trat ein; Güldenfey blieb in dem ersten Zimmer zurück.

Hinter einem breiten Tisch saß ein Mann in einem Anzug aus ungefärbter Seide, Morgenschuhe an den Füßen; die massigen Hände lagen ineinandergelegt auf einem ausgebreiteten Briefe. Er sah nicht überrascht, sondern völlig gleichmütig auf den Eintretenden.

Jörg nannte seinen Namen und fragte, ob er Herrn Usadel sprechen dürfe. Eine kaum merkliche Bewegung, die nicht verneinend, nicht zustimmend gedeutet werden konnte, antwortete. Jörg bat um die Erlaubnis, sich setzen zu dürfen. Wieder die unbestimmbare Bewegung.

»Ich bin im Namen meines Bruders Malte hier, er hat Sie nicht erreichen können. Er ist durch die Kündigung des Vertragsverhältnisses in Verlegenheit gekommen und bittet, diese rückgängig zu machen.«

Während Jörg sprach, betrachtete er Usadel. Das also war der Allmächtige, der die Geschicke der Welt mit einigen andern gemeinsam lenkte. Welche Gedanken mochten hinter den verdeckten Augen sich kreuzen? Unbeweglich wie eine Amphibie lauschte er. Oder hörte er gar nicht? Doch, er hatte verstanden!

»Sie sind nicht an die richtige Stelle gegangen«, erwiderte er, als Jörg innehielt. »Ich habe mit der Sache nichts zu schaffen.«

»Aber mit meinem Bruder schlossen Sie doch den Vertrag.«