Usadel bewegte bedauernd die Hand. »Unser Ring ist sehr umfassend.«
Jörg machte eine Bewegung, die Augenlider schnellten hoch. Trug der Mensch dort eine Waffe bei sich?
»Sie haben aber Einfluß, den Sie ausüben könnten.«
»Bedaure, nein.«
»Sie wollen ihn nicht wahrnehmen.«
Die fleischigen Hände machten wieder die nichtssagende Bewegung; dabei erblickte Jörg die abgestumpften Daumen des Mannes, diese kurzen kralligen Glieder, die Kennzeichen versklavter Abstammung oder Reste tierischen Herkommens sind. Plötzlich erhellte sich ihm die Erscheinung dieses in träger, abwehrender Ruhe verharrenden Menschen: sein brutales Kinn, die Unbeweglichkeit dieses verdeckten faltigen Gesichts. Usadel, was besagte dieser unwirkliche Name? Welches Stammes Siegel trug diese Stirn? Der Mann war auf keine Formel zu bringen; wie alle großen Menschheitverderber war er eine fleischgewordene Idee des Bösen, ein vermenschlichter Fluch.
»Sind Sie fertig, Herr Treß?« fragte er. »Ich habe wenig Zeit.«
»Ich bin allerdings am Ende«, erwiderte Jörg. »Könnte ich Ihnen menschliche Empfindungen zutrauen, so würde ich Sie daran erinnern, daß Ihr fluchwürdiges Gewerbe, das Menschen wie die Blätter eines Kartenspiels benützt und sie nach dem Gebrauch auf den Kehricht wirft, Ihnen den wohlverdienten Lohn einmal heimzahlen wird. Aber Sie stehen unter unserm Maß, Sie gehören nicht zu uns.«
Er sah, wie eine seltsame Bewegung den Mund Usadels verzog. Dann wandte er sich grußlos und ging.
Im Vorzimmer stand lauernd, wie ein Raubtier zum Sprung bereit, der Diener.