Malte setzte sich. Onkel Rolf rieb sein Kinn: jetzt hatte er das Wort. Seine Aufgabe war wahrlich nicht beneidenswert, den Treßkindern mitzuteilen, daß sie so gut wie nichts mehr besaßen. Fast täglich hatte er den bei ihm Rat Suchenden ihren Ruin zu bestätigen, gestern erst seinem Klaus!

Mit trockener Gründlichkeit entledigte er sich des Auftrags. Jetzt horchten sie auf. Was Malte gesagt, war Spiel mit Gefühlen, ja doch, ja doch! Aber man wollte doch die Tatsächlichkeit kennen.

Malte blickte nur auf Frauke, ob sich in ihren Mienen etwas zeige, was ihrer Seele Regung offenbare. Er gewahrte nichts. Wie ein Bild aus Stein saß sie da, die Hand an der Wange. Er hatte, als der Abschluß geschehen, mit ihr zu sprechen versucht, hatte ihr klargemacht, daß ihm der Ring die Gelder ausgezahlt, ja, mehr als er gegeben, zurückerstattet habe, und daß trotzdem dieser Berg von Papier nichts wert sei. Sie hatte ihn starr angesehen und geschwiegen. Geschwiegen, immer nur geschwiegen! Jetzt ...

Onkel Rolf hatte geendet, eine peinvolle Pause dehnte aller Not ins ungemessene. Warum reden sie nicht, warum entrüsten sie sich nicht? dachte Malte. Ihre Blicke, die mich fliehen, sind furchtbarer als ihre Anklagen. Warum ist Frauke noch immer so erstarrt?

Harro war der erste, der die Qual endete. »Habe ich recht verstanden? Unser Barvermögen ist also völlig dahin, und das Grundvermögen ...?«

Onkel Rolf entgegnete umständlich, daß Verbindlichkeiten da seien, die getilgt werden müßten; vielleicht sei der Treßhof zu retten, vielleicht!

Es ging wie ein Schlag durch alle. Vielleicht? War das Leben denkbar ohne den Hof? Ihn einbüßen — hieß das nicht, die Lebenswurzel ausreißen?

»Also, das wäre das Ende!« sagte Harro heiser. »Wir arm, der Treßhof in fremder Hand. Es ist herrlich weit gebracht.« Er lachte plötzlich wild und ungezügelt auf, aber das war das Schreckliche nicht. Schrecklich war der flammende Blick, der wie ein Schwert auf Malte zufuhr, der Blick und das Wort, das wie ein Auswurf war: »Erbärmlich!«

Malte saß starr da. Nur schweigen, sonst reißt etwas, dachte er.

Aber Güldenfey fing wie eine Schildjungfrau das Verwundende auf. »Harro, wie magst du ihm so weh tun!«