»Sei ganz ruhig,« tröstet sie, »ich gehe zu ihr.«
Als sie das Zimmer verlassen will, tritt ihr Ose entgegen. »Du, Ose?«
»Ich bin gekommen, daß du dich nicht ängstigst«, sagt die Alte. »Er wird nicht sterben. Ich habe die Probe gemacht: die Diele im Treßhof gibt keinen Laut!«
Am Morgen, als sich zwischen das Graugewölk im Osten fahle gelbe Lichtstreifen wie die Brände verschwelender Fackel schoben, hatte der Sturm sich ausgetobt. Wie ein mißhandeltes und verstoßenes Weib lag die Erde da: Wege verweht, Bäume verwüstet, Menschenwerk zerstört. Ein feiner Regen sprühte hernieder und hing sich wie Tränengeriesel an die geknickten Zweige der Sträucher. Es war ein leises Weinen in der geschändeten Natur.
Güldenfey ging, sobald es ihr an der Zeit schien, den Weg gegen die Schwedenschanze zu. Oses tröstliche Verheißung war gut, aber Malte schien von großer Unruhe hin und her geworfen zu werden.
Im trüben Licht des Morgens schien ihr die Straße verändert; sie fand sich nicht zurecht, und eine Sorge schreckte sie, daß sie wieder vergebens den Weg hinter der Frau her suchen müsse.
Doch dort drüben das Haus, das mußte es sein. Als sie eintrat, erinnerte sie das stürmische Läuten der Türglocke, daß sie gefunden habe, was sie suchte. Jede ängstliche Besorgnis war von ihr gewichen, als sie an die Stubentür pochte. Sie kannte die Stimme, die von innen zum Eintritt aufforderte.
Frau Jobst stand zum Ausgang gerüstet in der Stube und sah verwundert dem frühen Gast entgegen. Sie erkannte Güldenfey nicht; als diese ihren Namen nannte, hob sie erschreckt die Hand.
»Ja, ich bin Güldenfey Treß. Sie sagten damals, ich dürfe erst wieder zu Ihnen kommen, wenn wir auf gleicher Stufe ständen, weil arm und reich nebeneinander sich nicht schicke. Nun trete ich als eine Arme bei Ihnen ein. Haben Sie es schon gehört? Wir haben alles verloren.«