Alle die Schreier, die sich über das Unrecht in der Welt entrüsten, wird er fragen: Was hast du dagegen getan? Und stehen sie dann schweigend da, wird er nur das eine Wort finden: Mitschuldig!
Malte tastet nach dem Stift. Wie seine Hand flattert! Wie widerwillig die andre, die schwer wie Blei lastet, gehorcht! Mühselig zieht der Stift in krausen Zügen die Wörter auf das Papier: Frau Jobst ...
Ssssiii — — jüh! Das Haus erbebt unter dem Anprall der Sturmbö. Vor Maltes Augen dunkelt es, als entrolle sich ein endloser scharlachfarbener Mantel. Der fliegende Holländer steht am Mast: Wo geht der Weg nach Heilisoe? Ein Gedanke zuckt durch Maltes Hirn: Auch du bist mitschuldig. Der Fluch des alten Blutes spukt in dir wieder. Hinein in die Brandung, in den Untergang, in die Erlösung!
Ja, die Erlösung. Das Galionbild, die güldene Fey, kommt auf ihn zu, er sieht sie wie durch Nebel. Dann schließt der Scharlachmantel alles zu, und er gleitet langsam vom Stuhl zur Erde. —
Güldenfey kniet neben ihm und hält seinen Kopf in ihrem Arm. Sein edles Gesicht, das völlig entblutet erscheint, ist eigentümlich schmerzhaft verkrampft, als habe es ein furchtbares Ereignis mit dem Brandeisen des Schrecks gezeichnet. Ist er schon durch das erhabene Tor gegangen, oder steht er noch davor? Sie neigt das Ohr auf seine Brust und hört sein Herz wie fernes Brunnenrauschen gehen.
Zart legt sie ihn nieder und eilt, um Hilfe zu holen. —
Als sie ihn droben gebettet haben, geht sie noch einmal in die Schreibstube zurück, das Licht zu löschen. Da erblickt sie seine letzten Schriftzüge. Frau Jobst? Was wollte er schreiben? Und plötzlich enthüllt sich vor ihrem schauenden Blick die letzte Stunde Maltes an seinem Schreibtisch, was er empfunden und was er gewollt. Sie geht nach oben und setzt sich neben seinem Lager nieder.
Seine Seele irrt auf nächtig verschleierten Wiesen, die ohne Pfade sind, seine geöffneten Augen suchen über den Rand der Zeit hinaus. Aber vielleicht suchen sie die Versöhnung!
Güldenfey wagt es und senkt ihren Mund auf ihn. »Malte,« klingt ihre hohe Stimme leise und doch eindringlich, »du schriebst Frau Jobst. Soll sie etwas? Ich weiß sie zu finden.«
Ein Zucken läuft über das verzogene Gesicht, eine leise Bewegung des Lides zeigt, daß er verstanden hat.