»Sie soll es wissen, was danach kommt«, schluchzte die Frau.
»Sie sollen sich nicht so erregen lassen«, sagte Güldenfey heiter, und ihre Hand strich sänftigend über das rauhe Haar. »Meinen Sie denn, Ihre Wünsche, die aus einem verbitterten Herzen kamen, hätten etwas über unser Schicksal vermocht, wenn dieses Schicksal nicht zu unserm Besten gedient hätte? Und wenn Sie schon sich schuldig fühlen wollen, so biete ich die Gelegenheit, daß Sie Böse in Gut wandeln können.« Ruhig begann sie zu erzählen, von Maltes Not und Zusammenbruch, von seinem Verlangen nach beruhigender Vergebung.
Das Weinen der Frau wurde leiser, wie eine Klage über ihr zerstörtes Leben und ihr zerronnenes Selbst klang es. Was bedeutet alles Regen des zügellosen Blutes und das Aufbegehren eines entschränkten Willens, wenn beide dem Zeitlichen entwuchsen und nur auf Zeitliches zielten!
»Und was kann ich dem Kranken bestellen?« fragte Güldenfey endlich.
»Sagen Sie ihm, was Sie gesehen haben«, antwortete die Frau. »Unser Wollen ist nichts als ein Wollenmüssen. Ich bitte, daß er mir vergebe.« — —
Güldenfey saß an Maltes Bett, strich über seine erblaßte Stirn und goß Balsam in seine Unruhe. Sie jubelte innerlich, als sie bemerkte, wie die Ruhe seine wunde Seele sättigte. »Nun quält es dich nicht mehr?« fragte sie.
Er wandte ihr dankbar sein Gesicht zu und machte eine Bewegung, die sie als Zustimmung deuten konnte. Seine Blicke glitten von ihr fort, hefteten sich auf einen Punkt, füllten sich mit kinderhaftem Staunen, und ihre Starre löste sich in einem freudigen Glanz.
Was ist ihm nur? dachte Güldenfey und wandte sich um, daß sie erkenne, was ihn fesselte. Da sah sie, daß Frauke in der Tür stand.
»Ja, ich bin es«, sagte Frauke. »Es hat mich nicht in Hamburg gelitten, ich bin gleich wieder zurückgefahren. Was du mir sagtest, Güldenfey ... oder besser, daß du mir nichts sagtest, das ließ mir keine Ruhe.«