Mehr und mehr wurden die Linien der siebentürmigen Hansestadt sichtbar. Endlich glitt das Schiff in den Hafen und näherte sich der Anlegestelle.
Was bedeutete das? Am Ufer standen viele Menschen, die nicht denen glichen, die sich mit Koffern und Gepäck auf die Reise begeben, nein, sie hielten Blumen in den Händen. Ein Willkomm? Güldenfey blickte sich um und musterte erst die Mitfahrenden. Es waren oft Tagesgrößen auf Heilisoe, die gefeiert und bestaunt wurden.
»Aber das ist ja Oberst Helf, Jörg, und dort — Hanna Wilkens, und die Frau, die links steht, ist Frau Jobst.«
Sie wußten noch immer nicht, daß der Empfang ihnen galt. Aber da sie an das Land traten, umringten die Wartenden sie.
»Es haben sich ohne Verabredung alle die hier eingefunden, die Sie liebhaben und mit Trauer scheiden sehen«, sagte der Oberst. »Unser Abschied soll ein geringes Zeichen unsrer Dankbarkeit sein.«
»O!« sagte Güldenfey. Sie war so erschüttert, daß sie keine Worte fand. »Ist es denn möglich? Für das Wenige, das wir ihnen erweisen durften! Und wir taten doch nur, was wir mußten.« Ihre hohe Stimme, ihre strahlenden Augen waren von Tränen verdeckt. »Auch Sie, liebe Frau Jobst? Und Frau von Ebel? Ach, Mellin!«
Es waren auch solche da, die sie gar nicht nach Namen kannte: Kinder, denen sie einmal Brot gereicht; Männer und Frauen, die sie, da sie krank gelegen, in der Sachsenvorstadt besucht; alte Stiftfräulein, denen sie Blumen aus dem vergessenen Garten gebracht hatte. Selbst Fridchen Waterström war von ihrem Räucherboden gestiegen und überbrachte knicksend einen Blumenstrauß und einen Gruß von Engelke. Wie hatten diese alle nur von ihrer Abfahrt gewußt?
Der Zug schloß sich ihnen an, sie zur Bahn zu geleiten. Wie im Triumph zogen Güldenfey und Jörg durch die Stadt. Es war kein prunkendes Geleit, es war das Geleit der Armen. Aber seliger ist kein Hoher einhergezogen, und nie ist ihm ein innigerer Dank gefolgt, als er diese beiden umgab.
Am Bahnhof erwarteten sie Ose und Thomasius. Ose kniff die Lippen ein, um ihre Rührung zu verbergen, dem Mann aber flossen die Augen über. Wortlos beugte er sich über die segensreichen Frauenhände, die er begehrt und doch nicht ergriffen hatte, die sich ihm nun auf immer entzogen. Seine Huldigung war Dank und Bekenntnis und Bitte zugleich.
Die Schar füllte den Bahnsteig und schmückte das Abteil, das Jörg und Güldenfey bestiegen, mit den Blumen. Blicke gingen bangend und tröstend, dankend und verheißend hin und her. Was sollten in dieser Stunde noch Worte sagen können!