Güldenfey wiegte den Kopf. »Nicht diese, Jörg; es haftet zuviel Angst, Not und Sorge an ihnen. Ach, das Gold ist wie andres eine kostbare Gabe, doch was machte die Gier der Bösen aus ihm! Das verelendende Treiben der Geschäfte, das Verlumpen der Gesinnung machte es zu etwas Fluchwürdigem. Jörg, wo beginnt der Weg nach Heilisoe?«

Ein sanfter Wind strich kühl um die Hügel, unter denen die sagenhaften Herrscher schliefen. Er war wie ein Hauch längst vergessener Zeiten, und er empfing die ewig sich wiederholende Frage aus dem Munde des Mädchens und trug sie weiter und wird sie vielleicht nach tausend Jahren Wanderern, die hier rasten, wieder zuwehen und in ihnen Unendliches wecken.

So dachte Jörg, und nach einer Weile begann er zu sprechen: »Der Weg nach Heilisoe beginnt nicht da, wo der Mensch nach Geld oder Ehre oder Herrschaft strebt, sondern dort, wo tief im Menschen der erste Laut der Sehnsucht nach dem Ewigen anklingt.«

Er fühlte, wie sich sanft die Hand der Schwester in die seine schob.

»Wir haben den Ruf vernommen,« sagte Güldenfey, »und nun fängt die schöne Straße an.«


Telge und das Motorboot erwarteten sie nicht am Bollwerk, als sie am nächsten Morgen zur Abfahrt hinabstiegen. Sie bestiegen den kleinen Dampfer, der die Überfahrt vermittelte.

Hinausgehoben über die Insel stand der Leuchtturm da, er, der in der Einsamkeit der Winde sich wohlfühlte und nur mit den Schwärmen kommender und gehender Vögel Zwiesprache pflegte. Sein müdes Auge war geschlossen, aber um den Abend würde er wieder erwachen und denen Warnung und Hilfe sein, die den Weg nach Heilisoe suchten. Lebewohl, du Treuer!

Es versank vor den rückschauenden Blicken das Kloster; es versanken die strohgedeckten Fischerhäuser, die hinter ihrem Wall von Seedorn schliefen; es verschwand die einsame hohe Pappel, die alle Krähengeschlechter der Insel kannte. Schließlich war nur noch das Hochland von Heilisoe sichtbar. Leise schloß sich eine Tür. Jörg und Güldenfey wandten ihre Augen vorwärts.

Auf der blauen schaumgesäumten Schleppe des Meeres bildeten sich in der Fahrtrinne große weiße Kreise wie Perlenkränze, wurden und vergingen. Ach, es verging alles so bald auf dieser hastigen Fahrt.