Sie hatten sich zeitig erhoben, um den Tag voll auszukosten, und gingen ihm durch den Wald entgegen. Die hellen Nadelbüsche der Föhren schwankten leise im Wind, und die gelben Kelche des Hahnenfuß streckten sich der Sonne entgegen; eine Grasmücke sang, und der Wanderfalk strich geschäftig um die Büsche, hinter denen das Flügelschlagen eines Fasans erklang. Das Meer aber lag unter der Last des Lichts träge und gesättigt da: der Wind schlief noch zwischen den Hügeln.

Jörg und Güldenfey schritten die Kante der Dünen entlang, die wild und zackig wie eine chromatische Tonfolge verlief.

»Thors Wagen hinterließ hier seine Räderspur«, sagte Jörg.

»Aber diese wilden Spuren bahnten dem friedlichen Leben die Straße«, erwiderte Güldenfey. »Sieh doch, Jörg!«

Und sie wies auf die vielen Erdschwalben, die über der Tiefe in den Dünenrand ihre Nistlöcher gegraben hatten und jetzt zwitschernd ab und zu flogen.

Hand in Hand schritten sie fort, in Schweigen und Reden glücklich, weil keines von ihnen wußte, wer Gebender und wer Empfangender war.

Wie viele Orte wollten sie noch besuchen! Die alte Kirche auf dem Klostergelände, die immer den Eindruck einer verwahrlosten Alten machte, zwischen deren rohem Holzschnitzwerk und zerbrochenen Abtsteinen aber jenes merkwürdige Epitaph des um 1611 ertrunkenen Schiffers stand, von dem Güldenfey behauptete, er sei mit dem fliegenden Holländer gefahren; das Grab der goldenen Heiligen und das Vogeleiland, wo der Wind Runen schrieb; den Hünenhügel mit dem verkrüppelten Weißdorn und die Steinblöcke im Meer, zwischen denen die farbigen Algen hausten. O, es war noch viel zu schaffen!

Es war Abend geworden, als sie auf den Königsgräbern saßen; die während des Tages leuchtenden Farben erloschen, und das unruhige Aufzucken der Blinkfeuer fuhr über den nächtigen Himmelsbogen. Güldenfeys Fuß klopfte auf den warmen Erdboden.

»Welche Schätze vielleicht unter uns in der Erde ruhen, Jörg!« sagte sie.

»Wollen wir sie heben?« fragte er.