»Nein, nein«, wehrte sie. »Ich gehe zu Engelke. Hier ist es schon.«

Er zeigte ein enttäuschtes Gesicht. »Aber du bleibst ja nicht lange«, sagte er. »Ich werde dich erwarten und begleite dich nach Hause.«

Sie wäre viel lieber allein geblieben, doch sie besann sich, daß sie ihn bei dem letzten Sonntagskaffee unfreundlich behandelt hatte und deshalb von Gewissensbissen geplagt war. Sie wollte wieder gutmachen. »Wenn du Geduld hast —«

Nun, die Geduld wollte er beweisen. Und während er auf und nieder ging, überlegte er, wie er gefällig erscheinen konnte. Von seiner Kupferstichsammlung mochte sie nichts hören. Hat man in dieser Zeit wirklich etwas für so kostspielige Liebhabereien übrig? hatte sie einmal gefragt und ihn eigentümlich angesehen. — Du mußt den onkelhaften Ton aufgeben, wenn du mit Güldenfey sprichst, hatte sein Vater geraten. Es ist nicht gut, deinen Vorsprung an Jahren zu betonen. Gut, gut; also kameradschaftlich!

Er eilte ihr freudig entgegen als sie erschien; ihn freute im besonderen, daß sie das gräßliche Paket nicht mehr im Arm hielt. Merkwürdig, Güldenfey sah so gut aus und hatte bei aller Natürlichkeit viele Reize, aber auf solche entstellenden Dinge achtete sie nicht.

»Du besuchst wohl eure Engelke oft?« begann er. »Ich fürchte, das strengt dich an. Du siehst nicht so wohl wie früher aus.«

Sie lächelte ein wenig.

»Fühlst du dich krank?« fragte er besorgt. »Ich begreife nicht ... Aber Malte bemerkt ja jetzt überhaupt nichts mehr außerhalb seiner Geschäftsräume. Ich werde mit ihm reden.«

»Bitte, nicht«, sagte sie. »Wozu das? Es würde ihn beunruhigen. Ich bin nicht krank, ich leide nur.«

»Ist das nicht dasselbe? Oder kränkt, benachteiligt man dich?«