»Mich? Ach, Klaus!«
Ja, was dann? Klaus war am Ende und blickte sie ratlos und bekümmert an. Sie lächelte wieder. Was hinter diesem in Gesundheit geröteten Gesicht lebte, wußte wohl nichts davon. Trotzdem wollte sie es sagen.
»Ich leide an dieser furchtbaren Zeit, schon lange, seit jenem Tage in Heilisoe, da Malte uns die Schreckensnachricht brachte. Es ist entsetzlich!«
Klaus machte eine zustimmende Bewegung. Ja, natürlich entsetzlich. Diese zerbrochenen und verkrüppelten Existenzen, diese Vergewaltigung dessen, das zu Besserem bestimmt war.
Güldenfey merkte, wie ihn seiner Enttäuschungen Bitternis überkam. Sie schwieg, in ihr verkroch sich etwas ängstlich. »Das wäre wohl das geringste Übel«, sagte sie endlich leise. »Aber das andre, die Verderbnis, der Hunger.«
Sie blieb stehen, ihr Arm machte eine weite kreisende Bewegung. Die Vorübergehenden blickten verwundert auf sie.
»Komm doch!« sagte Klaus. Es war ihm peinlich, in dieser Weise Aufmerksamkeit zu erregen. Er redete weiter, heftig, hastig, sein Ärger gegen alle, die er für die Verderber hielt, entlud sich in starken Worten. Hätte er gewußt, wie weit er sich von ihr fortredete!
Güldenfey hörte ihn nicht mehr. »Wohin sind wir gegangen?« sagte sie und sah sich um. »Ich wollte zu bestimmter Zeit zu Hause sein. Ich muß die Bahn benutzen.«
Sie hatte erwartet, daß er sie jetzt verlassen würde: sie redete ihm zu, daß er um ihretwillen nicht seinen Spaziergang verkürze. Er bestand darauf, sie begleiten zu wollen. Als der elektrische Wagen vor ihnen hielt, bestieg er ihn nach ihr.
Die Plattform war um diese Zeit von Fahrenden leer. Die Schaffnerin kam und reichte ihnen die Scheine. Klaus machte eine gleichgiltige Bemerkung, Güldenfey wollte antworten. Plötzlich fuhr sie zurück. Das Gesicht der Frau, die die grüne Dienstmütze trug, näherte sich dem ihren und blickte sie dreist, mit einem häßlichen Lächeln an.