Malte rechnete nach. Die Besprechung auf dem Wirtschaftamt mußte an einem Tag erledigt werden. »Also wird er morgen abend spätestens hier sein. Legen Sie bis zu seiner Rückkehr den Brief zurück.«

Es war ein viertes Werbeschreiben an ein Glied des heimlichen Ringes. Die Angelegenheit gedieh nicht weiter. Maltes Tatendrang zerrte an den Widerständen wie ein stallmutiges Pferd an der Halfterkette. Dennoch — den Inhalt dieses Schreibens mußte er mit Häberle noch einmal erwägen.

Der Buchhalter trat zurück.

»Sobald die amtlichen Berichte einlaufen, bitte.«

»In einer halben Stunde, Herr Konsul.«

Die Tür schloß sich. Malte lehnte sich in den Sessel zurück. Was nun? Den Aktenstapel über eine Fabrikgründung? Die Bilanz einer Genossenschaft? Die neue Gesetzsammlung? Immer Neues wälzte jeder Morgen herbei. Er sah gelangweilt über die Papierstöße auf seinem Schreibtisch hin. Oder war das Müdigkeit? Nein, nur Langeweile. Er straffte sich. Nur ein seltsames ziehendes Schmerzen über der Braue.

Malte stand auf und zog den Fenstervorhang zu. Die Wintersonne gleißte wie blankes Messing. Also die Bilanz!

Plötzlich hörte er den singenden Schlag der Standuhr auf seinem Schreibtisch. Als der letzte Schlag erklang, ließ die Figur des Todes den Arm mit der Hippe fallen. Wieder eine Stunde fortgemäht! Es war ein altes Stück, das der Großvater aus England mitgebracht hatte. In der Linken trug der Todesbote eine Sanduhr. Auf einem Spruchband stand: Carpe diem!

Malte griff nach dem Stundenglas und kehrte es um. Wenn der Sand abgelaufen war, sollte die Arbeit beendet sein.

Sie war fertig, als es klopfte. Die Berichte wurden überreicht.