Endlich erging die Meldung, der erwartete Zug werde einlaufen. Die Post- und Gepäckkarren wurden vorgefahren, und Reisende strömten herzu; die ganze Unrast des Verkehrs, die durch das Warten gesteigert war, flutete um Malte. Dann schob sich mit glühenden Augen, unter stoßenden Atemzügen der rollende Zyklop herein, der die lange Kette vereister Wagen schleppte.
Malte hatte sich so aufgestellt, daß er die Aussteigenden überschauen konnte. Es waren nicht viele, die meisten fuhren weiter. Keiner von denen, die an ihm vorübereilten, konnte der Erwartete sein. Der Bahnsteig wurde leer. Sollte eine Versäumnis eingetreten sein? Lag auf seinem Schreibtisch zu Hause schon die Nachricht? Zögernd ging er am Zug entlang.
An dem Fenster eines hell erleuchteten Abteils zeigte sich ein kahler Kopf. Die Lippen bewegten sich mechanisch, nicht wie im Gespräch, sondern als sagten sie etwas her. Über die Platte des Klapptisches beugte sich schreibend oder lesend ein gekräuselter Mädchenkopf. In der Nähe stand auf dem Bahnsteig eine Gruppe schwatzender Menschen: vier oder fünf Männer und ein Mädchen, dessen Gesicht in dem umgelegten Pelz verschwand.
Aus dieser Gruppe löste sich ein Herr und trat, als Malte sich näherte, auf ihn zu: »Herr Konsul Treß vielleicht? Sie erwarten —«
Malte bejahte: »Herrn Usadel.«
Der Herr hob den Hut und nannte einen Namen. »Bitte, einen Augenblick Geduld. Herr Usa—del — der Name betont sich auf der letzten Silbe — diktiert noch.«
»Im Zug? Doch der wird sofort abfahren.«
»O, der Schaffner weiß Bescheid.«
Malte erfuhr, daß die Wartenden das Gefolge waren: ein Kanzlist, ein Geheimpolizist, ein paar Berichterstatter und die zweite Schreiberin.
»Dort kommt Herr Usadel schon!«