Der bulgarische Angriff in Mazedonien gelangte zwar mit der linken Flügelarmee bis an die Struma, drang dagegen mit dem rechten Flügel in Richtung auf Vodena nicht durch. Hier blieb das Unternehmen aus Gründen hängen, deren Erörterungen uns an dieser Stelle zu weit führen würden. Die bulgarische Infanterie schlug sich auch bei dieser Gelegenheit im Angriff wieder vortrefflich, freilich mehr heldenhaft als kriegerisch gewandt. Der Ruhm blieb ihr, aber der Erfolg war ihr versagt. Dieser Ausgang des Angriffes in Mazedonien stellte die deutsche Oberste Heeresleitung vor eine neue schwierige Frage. Die rumänische Kriegslust steigerte sich dauernd. Es war zu erwarten, daß die Stockung der bulgarischen Operationen in Mazedonien auf die politischen Kreise in Bukarest kriegsermunternd wirken würde. Sollte die deutsche Oberste Heeresleitung nunmehr den Angriff der Bulgaren endgültig abbrechen lassen, um starke bulgarische Kräfte aus den jetzt wesentlich verkürzten mazedonischen Fronten nach Nordbulgarien zu führen, oder sollte sie es wagen, die an der Donau schon versammelten Streitkräfte nach Mazedonien überzuführen, um hier nochmals zu versuchen, den rumänischen gordischen Knoten mit dem Schwerte durchzuschlagen? Die Kriegserklärung Rumäniens befreite die Oberste Heeresleitung aus diesen Zweifeln.

So also hatte sich die allgemeine Entwicklung der Verhältnisse südlich der Donau gestaltet. Nicht weniger schwierig war die Lage nörd[pg 179]lich der transsylvanischen Alpen geworden. Während nämlich Rumänien offenkundig rüstete, verzehrten die Kämpfe an der deutschen Westfront sowie diejenigen an der österreichischen Ost- und Südwestfront alles, was den Obersten Heeresleitungen irgendwie an Reserven verfügbar schien oder aus nicht angegriffenen Frontteilen noch verfügbar gemacht werden konnte. Gegen Rumänien glaubte man keine Kräfte freimachen zu können. Man vertrat den an sich richtigen Grundsatz, von Streitkräften, die auf den augenblicklichen Schlachtfeldern dringend benötigt waren, nichts aus politischen Gründen brachliegen zu lassen.

So kam es, daß die rumänische Kriegserklärung am 27. August uns dem neuen Feind gegenüber in einer nahezu völlig wehrlosen Lage traf. Ich bin auf diese Entwicklung der Verhältnisse deswegen ausführlicher eingegangen, um die Entstehung der großen Krisis verständlich zu machen, in der wir uns seit dem genannten Tage befanden. Das Bestehen einer solchen kann auch angesichts der späteren erfolgreichen Durchführung des Feldzuges nicht gut bestritten werden.

Wenn auch von seiten des Vierbundes nur unzureichende Vorbereitungen getroffen werden konnten, um der rumänischen Gefahr zu begegnen, so hatten sich doch seine verantwortlichen militärischen Führer selbstredend über die beim eintretenden Kriegsfall zu treffenden Maßnahmen frühzeitig geeinigt. Am 28. Juli 1916 hatte zu diesem Zwecke eine Besprechung der Heereschefs Deutschlands, Österreich-Ungarns und Bulgariens zu Pleß stattgefunden. Sie führte zur Aufstellung eines Kriegsplanes, in dessen entscheidender Ziffer 2 es wörtlich heißt:

„Schließt Rumänien sich der Entente an: schnellstes, kräftigstes Vorgehen, um Krieg von bulgarischem Boden sicher, von österreichisch-ungarischem, soweit irgend möglich, fernzuhalten und nach Rumänien hineinzutragen. Hierzu

a) demonstrative Operationen deutscher und österreichischer Truppen von Norden her, zwecks Fesselung starker rumänischer Kräfte;

b) Vorstoß bulgarischer Kräfte von der Dobrudschagrenze gegen die Donauübergänge von Silistria und Tutrakan zum Schutze der rechten Flanke der Hauptkräfte;

c) Bereitstellung der Hauptkräfte zum Übergang über die Donau bei Nikopoli zwecks Offensive gegen Bukarest.“

In einer kurz darauf folgenden Zusammenkunft mit Enver Pascha in Budapest wurde auch die Teilnahme der Türken an einem etwaigen rumänischen Feldzug festgelegt. Enver verpflichtete sich zur baldigen Bereitstellung von zwei osmanischen Divisionen für den Einsatz auf der Balkanhalbinsel.

Dieser Kriegsplan gegen Rumänien erfuhr, so lange mein Vorgänger noch die Zügel der Heeresleitung in der Hand hatte, keine Änderung. Wohl aber fand noch ein wiederholter Gedankenaustausch darüber zwischen den einzelnen Feldheereschefs statt. Auch Generalfeldmarschall von Mackensen, der zur Führung der südlich der Donau bereitgestellten Kräfte bestimmt war, wurde zur Sache gehört. Bei diesen Gelegenheiten zeichneten sich zwei Gedankenrichtungen deutlich ab. Generaloberst von Conrad vertrat diejenige eines rücksichtslosen sofortigen Vorgehens auf Bukarest, General Jekoff diejenige eines Feldzugsbeginns in der Dobrudscha. Die Kräfte südlich der Donau waren bei Kriegsausbruch noch viel zu schwach, um die an dieser Front beabsichtigte Doppelaufgabe, nämlich Donauübergang und Angriff gegen Silistria und Tutrakan, gleichzeitig durchführen zu können.