König Willhelm sein gefährlichster Nachbar, und geschworner Feind seines Vaters, mit dem er beständig im Kriege verwickelt war, und der den Sohn noch mehr als den Vater haßte, weil er ihn als einen Rächer der verübten Räubereyen ansah, suchte die Zahl der Freunde Eduards durch Ränke zu schwächen, und die Zahl seiner Feinde von allen Seiten zu vermehren.

Willhelm war ein kriegerischer Fürst, kühn, hastig, feurig, oft unüberlegt, und unglücklich. Sein Charakter war hart, und unbeugsam; er sezte für unmögliche Entwürfe oft das Wohl seiner Länder auf das Spiel, und wagte sich unter ihren Ruinen zu begraben. Er war schlau in seinen Anschlägen, treulos in seinen Bündnissen. Seine schwarze Politik bestand aus gewaltsamen Grundsätzen, welche die Menschlichkeit empören. Er kannte kein Völkerrecht; der Eigennutz war sein einziges Gesetz, und sein Wille entschied. Er hatte sich nur durch ungerechte Kriege bereichert, und vergrössert. Da er sich selbst zu schwach fand, den mächtigen Eduard zu bekriegen; so suchte er Helfer, und wiegelte alle benachbarte Mächte auf. Er fand bald geneigte Ohren.

König Philipp, ein junger Prinz, hatte seit zwey Jahren die Herrschaft selbst übernommen. Er haßte in seinem Reiche alle diejenigen, deren Ansehen älter als seine Regierung war. Er hatte mit Sehnsucht auf den Tod seines Vaters gewartet, der seine thörichten Rathschläge, die meistens in jugendliche Chimären ausarteten, weislich verwarf, und dadurch in das Herz dieses feurigen Jünglings einen so eingewurzelten Groll pflanzte, den nichts mehr ausrotten konnte. Er entehrte noch im Grabe die ehrwürdige Asche seines Vaters durch unüberlegten und schändlichen Spott, und suchte das verehrungswürdige Gedächtniß eines geliebten Monarchen zu vertilgen, der in den Herzen aller Unterthanen und Patrioten lebte. Er verfolgte, da er das Ruder ergrif, alle getreue Diener seines Vaters, er stürzte die Günstlinge, entwürdete die Beamten, und verabscheute sogar die Palläste, die einst der Lieblingsaufenthalt seines Vaters waren. Sobald er seinem Reiche eine andere Gestalt gegeben hatte, das heißt alles verwirrte, überließ er sich stolz als ein Verbesserer einem weichlichen Leben, das seine Jugend entweder mit einem übereilten Alter, wo nicht gar mit einem frühen Tode bedrohte. Bey diesem betäubten Wollüstling fand der kriegerische Willhelm durch scheinbare Gründe gewünschtes Gehör, denn Philipp haßte die Tugenden Eduards. Kleine Republiken, und mindere Fürsten ketteten sich allmählich an diese tongebenden Könige, und der Untergang Eduards war beschlossen. Aber das Schicksal rüstete diese Wetterwolken, damit Eduard wie eine Sonne desto heller glänzte. Der junge Löwe bot allen Feinden seine muthigen Klauen. Er hörte die Gefahren, und stand entschlossen im vollen Kriegsrath auf. Meine Freunde, rief er, wir müssen die Länder nicht nur von der Mühseligkeit sondern auch von der Furcht der Gefahren befreyen. Sehet unsere Feinde dräuen trotzig an der Gränze. Es werden die Heerden furchtsam verlassen; die Weiden sind öde, die Ackerpflege wird venachläßiget; die Schifffahrt der Kaufleute ruht. Der Staat verliert durch den Schrecken des Krieges seine Einkünfte. Lasset uns eilen, diesem Uebel zu steuren; suchen wir die Feinde in ihrem Lande!

Er flog an die Gränze, und stand mit furchtbarem Heere vor dem Antlitz der Feinde, ehe sie wusten, daß er ausgezogen war. Er nüzte die erste Betäubung. Er griff hastig an. Er war Zeuge der Thaten seiner Krieger. Er eilte durch die Reihen, munterte auf, führte an, kam zu Hülfe, wo seine Haufen wankten. Er war Feldherr und Krieger. Er wechselte die ermüdeten Geschwader. Er war wie ein Blitz. Willhelm wich, und verwünschte sein widriges Schicksal. Philipp war auf das Haupt geschlagen, und nahm eine schändliche Flucht. Eduard stand als Sieger auf der blutigen Wahlstatt, und erbeutete ein reiches Lager. Der Ueberwinder eilte unter dem Zuruf eines jauchzenden Heeres von Stadt zu Stadt. Viele sandten ihm die Schlüssel entgegen; andere wurden mit stürmender Hand erobert. Welche glänzenden Tage für einen jungen König, den seine Unterthanen anbeteten, seine Bundesgenossen bewunderten, und seine Feinde fürchteten. Eduard ward nicht stolz und übermüthig gemacht, er bot selbst der erste seinen besiegten Feinden den Frieden unter solchen Bedingnissen an, die jeder anderer als Willhelm mit Freuden angenommen hätte.

Willhelm wich nicht. Er sammelte die letzten Kräfte; er verschanzte sein Lager, und schmiedete heimliche Ränke. Allein vergebens waren seine giftigen Anschläge. Eduard schrieb bald seinen Feinden Gesetze vor, und setzte durch seine glücklichen Unternehmungen alles in Erstaunung. Er überraschte das verschanzte Lager. Die kühnen Krieger erkletterten siegreich die Anhöhen, und verbreiteten Schrecken und Verwirrung unter den feindlichen Geschwadern. Alles wich der Tapferkeit des unüberwindlichen Eduards. Sein Geist schien in alle Herzen vertheilet. Das Treffen war anfangs mehr blutig als entscheidend. Willhelm focht als ein Verzweifelter. Er bot allen seinen Kräften auf. Er sammelte den Kern seiner Krieger; er überfiel seinen Gegner. Er war so glücklich die tapfersten Schaaren zu Boden zu schleudern. Ein unglücklicher Sturz des Pferdes brachte den fechtenden Eduard in Lebensgefahr; aber Prinz Sigismund der Sohn seiner Schwester, ein hofnungsvoller Jüngling, der die königliche Leibwache führte, stürzte herzu. Er machte sich selbst zur Brustwehr des fallenden Königs. Er fieng die Streiche der zudringenden Feinde auf, und gab seinen Gefährten Zeit den König zu retten. Sigismund ward von diesem entscheidenden Tage einer der Lieblinge des Helden.

Eduard rächte durch neue Thaten die kleine Schlappe. Er warf den rechten Flügel über den Haufen; der ganze Klumpen des Heeres zerschmolz. Kein Streiter hielt mehr Stand. Die Tapfersten fielen unter dem Schwerte des Siegers. Die Uebrigen suchten das Heil in der Flucht. Diese blutige Schlacht entschied das Schicksal der Feinde. Viele Fahnen, unzählbares Geschütz und viele Kriegsgeräthschaften wurden erbeutet. Auf der Wahlstatt lagen zehntausend Todte, und Willhelm suchte seine Hauptstadt zu erreichen. Er sah sich gezwungen um Frieden zu bitten. Eduard zeigte seine erhabne Seele in voller Grösse. Seine Mäßigung setzte seine Feinde in Erstaunung. Er bewilligte allen alles, und schenkte Kronen. Willhelm blieb undankbar, und spähte nur auf neue Gelegenheit, sich nachdrücklich zu rächen. Doch sein Groll kochte heimlich. Der Friede war der Erde gegeben. Niemand hatte geglaubt, daß dieser schädliche, weit sich erstreckende Krieg durch alle tapfern Befehlshaber in einem Jahre, oder durch alle Befehlshaber in vielen Jahren zu Ende kommen würde, und doch der einzige Eduard siegte in zehn Monden über alle seine Feinde.

Tragisches Singspiel.

Die Scene ist ein Grabmaal. Die Königin Sophie[15] ihr kleiner Sohn, zwey Töchter, und weibliches Gefolge.

(Sie schmücken den Sarg der königlichen Leiche mit Blumenkränzen. Die Königinn sitzt in tiefer Schwermuth auf den untersten Stuffen mit ihrem Sohne.)

Chor.