[15] Entweder ist hier im Manuskript eine Lücke, oder aber entdecken wir hier eine gelehrte Zerstreuung unsers Autors. Ich als ein scharfsichtiger Kommentar staune meine Leser an, und frage, wer ist diese Königinn? Ihr Gatte starb im Kampf, und in vorgehender Geschichte lesen wir von keinem Könige, der auf dem Schlachtfelde fiel. Vermuthlich wird hier einer von den Bundesgenossen Willhelms verstanden, die unter den Hauptpersonen aus beliebter Kürze in der Geschichte nicht genannt sind. Genug, es scheint mir eine dichterische Kaprizze zu seyn.

[16] Dem Finanzminister gab der König Befehl seine Pächter bereichern zu lassen, und ihnen hernach den Ueberfluß abzunehmen. Dem Losin ertheilte er Vollmacht in den Städten, die sich seinem Schutze vertrauten, alle Große zu erniedern, und also das Volk zu bejochen. Es liegt oft viel Beredsamkeit im Geberdenspiele.

[17] Dieses ist der wesentliche Inhalt einer sehr langen Schrift, welche in der deutscharabischen Staatssprache wie alle Kriegserklärungen zur Aufklärung des Publikums erschien. Die Freymüthigkeit ist wenigstens ihr Verdienst.

[18] Deus ex Machina! Eine Geliebte des Königs rettete das Leben dieses würdigen Mannes. Jedoch ein Dichter sagt so etwas nicht ohne Schwung, er sucht Blumenkränze und arkadische Tändeleyen.

[19] Da unsere kaltblütigen Deutschen nicht wie splenetische Engländer von einem Geist gerührt werden; so bevölkert mein Autor die Scene mit einer Legion Geister. Der Auftritt muß auf der Bühne fürchterlich lassen, und für Liebhaber der kriegerischen Taktik sehr interessant seyn. Die Scene ist historischwarscheinlich, weil unsere Nationalgeschichte ein feines Pröbchen von einem Geisterheere giebt.

[20] Der Autor bemerkt sehr scharfsinnig den Hexenkostum, und theilt sie in alte und neue Hexen. Die Alten haben mehr Anstand und Würde, wie die alten Furien und Schatten unsere neuen Teufel und Geister beschämen. Die Damen sprechen übrigens wie die Freymäurer; die alte Loge schimpft über die Neue, und jede behauptet das wahre Geheimniß zu besitzen. So viel ich als ein profaner Kommentar.

[21] In einer Shakespearischen Zerstreuung hat der Dichter hin und wieder sich vergessen. Bonus dormitat Homerus! würde ein Warburton sagen; ich aber glaube, der Dichter wollte schlafen; also gute Nacht!

[22] Die Zeitgenossen sind ungewiß über den Tod Eduards. Sein Dichter nützt also diesen günstigen Umstand zu einer musikalischen Variation, und bedient sich dieser Freyheit mit desto grösserm Rechte, da die Natur selbst ihre theuren Kinder auf verschiedenen Gleisen vom Leben zurückruft, und die Aerzte als getreue Nachahmer dieser zärtlichen Mutter noch immer ungewiß sind ob sie ihre Kranken bey Gelegenheit der zehntausend lateinischen, griechischen, engländischen, französischen und unendlichen Gattungen der Krankheiten mit Kräutern oder Säften aus der Welt versenden sollen. Wie sehr die Dichter alles verschönern müssen, das zeigen uns die empfindsamen Alten. Wir nehmen zum Beyspiele nur die Geschichte des Herkules her. Wollte eine gemeine Feder seinen Tod erzählen; so würde man lesen: eine Buhlerin beschenkte den Helden mit einer galanten Krankheit; er vernachläßigte die ersten Anfälle, ward von einem griechischen Scharlatan übel geheilt, und starb. So würde ein kaltblütiger unschmackhafter Geschichtschreiber die wichtigste Epoche von der Vergötterung des grösten Helden des Alterthums erzählen. Aber wie sinnreich wendet der Dichter die ganze Begebenheit! Eine Furie steigt aus der Hölle, wirft ein vergiftetes Nesseltuch auf die Erde in dem Schlafgemach der eifersüchtigen Geliebten; dieß Geschenk wird dem Helden gesandt; ein Feuer durchglüht ihn; er wirft sich auf einen Scheiterhaufen, und wird in den Olymp aufgenommen. Welche Verschönerung!

[23] Ich habe bereits erinnert, daß die Meinungen über die Todesart Eduards verschieden sind. Die Meisten sagen Alidia habe ihm durch Salinien Gift beygebracht; einige schreiben die That der Eifersucht Saliniens selbsten zu. Der Dichter benutzt jeden Umstand.

[24] Da vermuthlich kein Schauspieler in Deutschland lebte, der einen Vers erträglich deklamirte, so nahm der Dichter Zuflucht zum unsterblichen Roscius.