Ist für mich Kühnheit. Wer preist nicht die Heldenhand,

Die kein unschuldiges Blut noch entheiliget,

Weil es dem Vaterland floß.

Brief.
Eduard, an Alsin.

Die wenigen Augenblicke, welche mir meine häufigen Geschäfte frey lassen, kann ich nicht besser verwenden, als wenn ich sie dem theuersten meiner Freunde schenke. Aber was soll ich Dir sagen? Wenn ich Dir wiederhole, wie sehr ich Dich liebe, sage ich Dir eine gewöhnliche Sache. Von was soll also mein Brief handeln? Du liebst den Krieg nicht, und ich bin mitten unter Feinden. Ein so gutherziger Philosoph wie Du, hasset die blutige Zerstörung der Menschen. Es ist traurig genug für mich Deinen Zögling, daß mich barbarische Feinde zwingen, Menschenblut zu vergiessen.

Wir hatten wieder einen heissen Tag. Wir fochten mit Männern, denen ich zum Ruhme nachsagen muß, daß sie tapfere Krieger sind, die Kenntniß und Muth besitzen. Meine theuren Mitbrüder und Kriegsgenossen haben Wunder gethan. Schade ist es, wenn einige Tropfen von so edlem vaterländischen Blut vergossen werden! Welche Entschlossenheit, welche Treue, welcher Gehorsam! Freund, so ein edler Krieger überwiegt hundert feile Lohnbuben, die beym Anblick der ersten Gefahr zittern und entlaufen.

Ich sehe mich sehr oft in der traurigen Nothwendigkeit, die wackersten Streiter wegen übertriebenem Eifer zu strafen. Zu einer solchen Schlacht wünschte ich viele Könige einzuladen, damit sie lernten, was es ist, von seinem Volke geliebt zu seyn. Wenn ich einst im Treffen falle; so sey gewiß, daß kein Mann lebendig vom Schlachtfelde kömmt. Wenn ich winke; so stürzen die Geschwader unter die Feinde. Meine vortreflichen Kriegsleute rauben mir alles Verdienst. Von der tiefen Einsicht, Erfahrenheit und Gegenwart des Geistes meiner Anführer kann ich nicht rühmlich genug sprechen. Glückliches Vaterland, das so viele würdige Helden hervorbringt, welche ihren König beschämen, und mich täglich überzeugen, wie leicht mein Platz durch zehntausend Würdigere kann ersetzt werden.

Das freywillige Geschenk, womit meine geliebten Unterthanen mich überraschen, hat mich entzückt, es ist ein redender Beweis ihrer Liebe. Ich habe die Bothen belohnt, und das Geschenk mit dem dritten Theile der Beute zurückgesandt. Du sollst es meinen theuren Bürgern mit dem regesten Dank austheilen, und sie alle in meinem Namen mit dem väterlichen Gruß segnen. Es ist süß König über ein dankbares Volk zu seyn.

Noch etwas für dich und deine Weltweisen! —— Ich habe den besiegten Feinden den Frieden wie ein Bruder den Brüdern angeboten, und wünsche, daß sie weise genug sind, meine redlichen Absichten einzusehen. Mit dieser frohen Nachricht, wobey du gewiß lächelst, schliesse ich meinen Brief, indem ich Dich tausendmal umarme, und Dich versichere, daß Dich ewig liebt ——

Dein Eduard.