Brief.
Lusian an Marsis.

Zwey Worte in Eile! Bald treff’ ich dich im Lager. Der König verläßt schon das Winterquartier, und will zeitig den Feldzug beginnen. Es wird ein Stückchen Arbeit geben. Eduard hat sich schon von seinen Freunden und Freundinnen gelezt. Gelegentlich muß ich dir ein artiges Histörchen beyfügen. Er besuchte die schöne Salinia; sie unterhielt ihn mit Gesprächen, indeß ihr liebkosendes Schooßhündchen zu Eduard schlich, und unter dem sanften Streicheln seiner Hände entschlief. Er hatte dringende Geschäfte, weil er eben Briefe erhielt. Er verweilte um den kleinen Schläfer nicht zu erwecken. O! rief Salinia, du giebst den Thieren Ruhe, und machst den Menschen so viele schlaflose Nächte! —— Eine schöne Bemerkung für die würdige Tochter eines Philosophen ——

Bald mehr! Ich habe dir noch tausend Dinge zu erzählen. Izt meinen Bruderkuß! u. s. w.

Scene.

Ein Kabinet. Eduard, zu ihm Alsin.

Edu. O Salinia, du Perle deines Geschlechts, überall verfolget mich dein Bild! —— Du lehrest mein Herz die siegende Gewalt der reizenden Liebe! — Unwiderstehlich sind deine bezaubernden Züge, du hemmest den schönsten Lauf meiner Siege! — Ach! Umsonst locken mich die blühenden Lorbeern, du fässelst mich hier an! —— Eduard, erwache! Wie lang schläfst du! —— Welche feige Ruhe, welche Leidenschaft hält dich hier zurück! —— Weichling, wie niedere Plane schmiedest du! — Was hoffest du von Salinia? —— Willst du sie ihrem Bräutigam entreissen? Kannst du sie zur Königinn erheben? Gehörest du nicht deinem Volke; bist du nicht an höhere Pflichten gebunden; können Fürsten nach ihrem Herzen wählen? — Oder willst du den würdigsten Gegenstand deiner Liebe abwürdigen; willst du die reine Unschuld schlachten? — Könntest du gegen deinen Busenfreund, gegen deinen Lehrer so undankbar handeln, seine Tochter, die Wollust seiner Tage, zu entehren, sein graues Haupt mit Schande zu überdecken? —— Eduard, wo bist du? steh auf! Sey groß! Sey tugendhaft! — Ich habe gesiegt! — Salinia ist vergessen! Ich eile, im Geräusche der Waffen meine Liebe zu vergessen; ich will Salinia nicht mehr sehen. Ich werde bey nächtlichen Schatten von ihrem Vater mich letzen.

Alsin. Die kriegerischen Schaaren ziehen mit freudigem Jauchzen und mit fliegenden Fahnen auf das Schlachtfeld der Ehre ——

Edu. Ich will sie begrüssen, und an ihrer Spitze dem Feinde entgegen eilen.

Melodrama.

(Eine Laube. Salinia sitzt bey einem Marmortischchen, stützt mit einer Hand ihr müdes Haupt, und hält mit der andern die Feder. Hernach Eduard.)