Die Gruft von Valero

(1911)

I

Unter den Zwanzig, die den Förderkorb betraten, als er schon murrend in den Gelenken knackte, waren zwei bemerkenswert. Piet, der Vollhauer und Jonsen, sein Gehilfe. Sie waren Wühler auf derselben Sohle. Piet begrüßte den Jonsen zuerst. Ein kurzes heftiges Anziehen durch die Nase ging seinem Gruß vorauf. Und der Fall seiner Worte gluckste wie das Gerinsel einer Regentraufe.

„Wir werden heute den neuen Flöz anpacken. Du weißt ja, den am Wetterschacht. Saure Arbeit wird’s geben!“

Dabei stieß er seine Fäuste klumpig empor wie fluchend. Und sein Gesicht schrumpfte aus dem Ungewissen des Lichtes tierisch ins Besessene.

Jonsen nickte. Nickte nur und sagte rein nichts. Vielleicht war es ein Vorgefühl tiefsten Schreckes. Zudem krankte er an der Formulierung eines Prinzipes zu höherem Lebenszweck. Man sagte unten im Dorf, daß er nur Studien halber sich ins Joch gespannt hatte.

Polternd schüttete der Korb die Hauer auf den Gang. Sie rannen auseinander wie gewordene Brut aus Schalen. Immer in Trupps zu zwein und drein.

Piet und Jonsen hatten von dem Steinriff, wo die Knappen in gesonderten Höhlen Hacken und Schaufeln rührten, noch eine viertelstündige Wanderung zu machen. Das gewohnte dumpfe Surren der Kippwagen, das Kreischen der Sauerstoffgebläse und alle Geräusche von Schlägel und Bohreisen hinderten nicht, daß den Wallern die Minuten durch den stockdunklen Gang lautlos erschienen, wie von einer bis zur letzten Endung gespannten Feder gehalten.

Jonsen hob die Lampe. Ein winziger blauer Kranz umschwirrte zitternd den roten Lichtkegel.