Der Schimmel beugte den Kopf herab. Mit dem offenen weitsichtigen Auge starrte er den Knaben an, als wüßte er, daß es ein Abschiednehmen für immer war.
Juppchen fühlte, wie ein blutiger Tau sein heißes Herz überströmte. Er fuhr sich über die Stirn und ließ die Hände schlaff herabfallen.
Plötzlich sprang er an den Verschlag, holte sein ganzes Brot und gab es Stück für Stück dem Tier.
Noch ehe der Schimmel den letzten Happen verschluckt hatte, rief der Wärter.
Juppchen warf dem Pferde den Halfter um und zerrte es hinaus. Er schritt wie zu einem Begräbnis.
Der Wärter riß ihm die Zügel aus der Hand, versetzte dem Schimmel einen Stoß in die Weichen und trieb ihn in den Förderkorb. Der Fuchs war schon festgebunden an der Gitterstange und stand ruhig mit herabgesenktem Kopf. Juppchens Schimmel kam vorn zu stehen. Der Seilschläger riß an, und pfeifend fuhr der Korb in die Höhe.
Juppchen stand gerade unter der Schachtluke. Er schnalzte mit der Zunge, und gleich darauf vernahm er in dem schwelenden Düster ein unterdrücktes Gewieher. Und ganz deutlich sah er noch, daß der Schimmel den Kopf aus dem Gitter herabbeugte.
Juppchen wollte die Hand heben und winken — — in demselben Augenblick fiel etwas unendlich Schweres herab und traf ihn mitten in das erhobene Gesicht, wie ein nasser Sack klatschte er breit hin und erhob sich nicht wieder.
Ein kantiger Türrahmen bei dem ersten Füllschacht hatte den vorgelegten Kopf des Tieres während der rasenden Fahrt glatt vom Halse getrennt.
Der Grubenarzt, der Juppchen den Totenschein ausschrieb, setzte trocken hinzu: er wurde von einem in den Schacht herabfallenden Pferdekopf erschlagen.