Man hatte Jonsen ins Spital geschafft. Die süßen Giftgerüche waren Räuber seines Gehirns für Wochen, wie durch einen blutroten Nebel sah er die nahen Fördertürme und Schachtgerüste. Geräusche, die durch die geöffneten Fenster gekommen waren, empfand er wie die Nähe eines Meeres, das von verschluckten heißen Untergängen wimmelt. Die Schwestern waren einfach unerträglich. Und die Ärzte griffen zu wie Henker.

Manchmal umschwirrten ihn Bestimmungen: was tatest du! Du! Wen wecktest du! Wen wecktest du!

Die Feinde, unter denen er hier lebte, wann würden sie das Seil knüpfen . . . die Klinge heben . . . das Gift gießen?

Begräbnisse fuhren stündlich durch sein Gehirn. Er schritt hinter seinem eigenen Sarge einmal.

Und als er sah, wozu er geholfen hatte, dachte er: gerade das Gegenteil wollte ich.

Das Fieber aber war stärker als der gepfählte Willen. Es zerstäubte ihn völlig, wie Töne eines dunklen Spieles. Schmerzen des Wachen rissen sie fort.

An einem Sonntage kam Piet zu Besuch. Jonsen richtete sich auf. Aus dem gebürsteten Sonntagsrock des Kameraden kam ihm ein lieber Geruch zugeweht.

Piets Stimme machte einen brutalen Griff: „Daß du auch so ein Tölpel sein mußt! Warum hast du das nicht dem Steiger überlassen? Lag der hier, wäre die Gruft nicht offen. Nun sind wir drin. Acht Tage haben wir gebraucht, um den Sumpf zu stopfen. Aber weißt du, der Satan ist immer noch da. So was riecht man doch. Die andern ja gewiß nicht. Aber weißt du, eine Kohle gibt es . . . o, . . . eine Kohle . . . die Kerle haben noch nie so verdient. Und du mußt hier nun faulenzen! Na, es geht doch besser? Was?“

Piet beugte sich herab. Sein langer Bart kitzelte Jonsens Ohr. Sein Atem war geschwängert vom Geruch der Gruft. So schien es Jonsen. Und dieses Fühlen von Verwestem, das durch seine Wachträume gerast war solange er hier lag, ließ ihn zurückschaudern von der Berührung mit den Händen Piets.

Aber Piets Hände waren wie Eisenklammern. Wie Zangen. Und griffen zu.