Die Birke reckte, so gut es eben ging, den Kopf.
Aber das verirrte Vögelchen von gestern war einfach nicht mehr vorhanden, vielleicht hockte es schon irgendwo in einem Käfig. Denn die jungen Burschen, die unten im Schacht die Pferde mißhandelten, fingen mit Leimruten alles weg, was auch nur einen kleinen Ton in der Kehle stecken hatte.
In langen Reihen hingen die Vogelzwinger vor den kleinen Häusern. Grammophone animierten die Drosseln, Stare und Hänflinge zum Konzert.
Nicht ein Vögelchen schwirrte mehr durch den hereinbrechenden Dämmer. Nur die ekelhaften Fledermäuse mit den stumpfen Nasen und kühlen Krallen.
Und da wurde es merkwürdig still in den Mienen der Birke. Schwer fiel ihr das Haar in die Stirn. Und sie mußte es geschehen lassen, daß die heraufspringende Abendkühle sich darin festsetzte und die grauen Sacktücher wusch.
Ein bleicher Stern, der zischend vom Himmel fiel und um Haaresbreite das herabgebeugte Haupt der Birke streifte, weckte die Halberstarrte noch einmal aus dem langsamen Hinüberschlummern.
Zwischen den halbgeöffneten Lidern sah sie noch die lang aufquellende Lichterreihe, und dicht dahinter fuhren schon wieder die mörderischen Geschütze auf.
Ein Schreckschauer rieselte schwer über ihre blasse Stirne. Gleichgültig ließ sie die beiden Verliebten vorüberstreichen, die sich nicht schämten, die Wildgier ihrer Lippen vor den Augen der vielen jungfräulichen Wasserspiegel auf dem Pfad zu schüren.
Oh, diese Jungverliebten, die in diesem geizigen, raubgierigen Lande doch nur allezeit zwei verlobte Waisenkinder sein werden! Die Birke zitterte stärker auf.
Es war nichts. Oder es war das Atmen der Stille, der tödlichen Stille vor dem letzten Herzschlag.