Ein junger Bursche, den Leinenkittel dick mit Kalk beschmiert, — vielleicht war es ein Maurer, der, nachdem die Bauerei in der Stadt zu Ende war, in sein Heimatdorf zurückkehren wollte, — sprach ihn an.
Ließ die weißen Zähne lächelnd blecken und forderte ihn zum Trinken auf.
Sie traten an den Schanktisch und stießen miteinander an. Der Maurer aber hatte eine geläufige Zunge und schnurrte wie ein geschmiertes Rad. Der Speichelschaum zischte und spritzte.
Da drehte sich Nervil Munta wortlos um und suchte sich einen freien Tisch. Streckte die Beine aus und stürzte die Ellenbogen auf. Nun er die vielen Menschen gesehen hatte, nach einem Jahre wieder richtig gehende Menschen, die laut und lustig schwatzen konnten, fluchen und rauchen durften, wurde ihm die Zunge, über die der Schnaps gebrannt war, wie Stiche von Insekten, seltsam trocken und der Kopf wie ein Klumpen Blei widerlich schwer.
Es überkam ihn, zurückzudenken. Sich zurückzudenken in den kahlen gefühllosen Kerker. Er hörte vernehmlich den Filzschritt der Wache und das böse Geklirr des Schließers. Der Dunst von vergossenen Getränken und verbrodelten Speisen kitzelte seine Nase, die noch wund war von dem faden Leichengeruch der Zelle. Klappern von Tellern und Gläsern schwirrte durch die heftigen Pulsschläge seines Gehirns wie das Scharren der Blechschüssel jeden Mittag über den Zement des Zellenbodens, vom Fuß des Kalfaktors durch die Eisentür geschoben. Jedes geregte Leben, das hier im Wartesaal geschah, wurde zum Fühler zurück in kaum überstandene Stunden der Einzelhaft.
Und er hüllte sich in die wiederaufgebrochenen Gefühle, glaubte, daß er sie fühlte und merkte nicht, daß er nur die Mäntel der Gefühle ausbreitete zum Spiel, das Schlaf herbeilockte.
Er schlief fest und fuhr wie gestochen auf, als die Glocke der Abfahrt schrillte.
Wie zerschlagen tappte er sich auf den Perron und erreichte mit Not den Zug. Die Abteile waren überfüllt, dunkel und dunstig.
Als die schweren Wagen die Halle verließen, hämmerte der graue, windharte Morgen an die Scheiben.
Nervil Munta, der sich einen Fensterplatz mit seinen starken Knochen erdrückt hatte, sah spähend in die rauchige Landschaft hinaus. Die hereinbrechende Frühe hatte seine Gedanken aufgepeitscht, in Zukunft zu sinnen, und lebendiges Feuer in seine Glieder geworfen. Das Wirbelnde der bewegten Erde tanzte in sein Gehirn wie ein Kirmesreigen und wälzte ein freudiges Schnalzen auf seine Zunge, das lange anhielt. Dann überschrie der Bremsstrom die Achsen, und der Train stand am Ziel wie festgerammt.