Der Ingenieur Erwin Vallotti schwoll rot an. Zuckte aber nicht. Stellte sich vor das Schwungrad und lenkte den Hebel. Der Schweiß glänzte dick in den schwarzen Haarsträhnen, die ihm unter dem Hut hervorhingen. Und seine Augen lagen tief wie zwei ausgebrannte Kohlen.
Er dachte: warum sind nur die Heizer da? Dieser Streik wäre dann der erste, der zu gewinnen ist. Lumpenpack!
In der Mittagspause, als der Vildrac im Ölkeller war, hatte der Ingenieur Erwin Vallotti eine Unterredung mit Henri Semella, die so gestellt war, daß dieser am nächsten Morgen nicht wieder kam. Da setzte der Ingenieur Erwin Vallotti mit den kleinen Maschinen aus.
Nun ging die große Riesenmühle allein, und Vildrac war stolz auf das durchdringende Getöse, das sie verursachte. Er sog das Sausen der Zylinder wie Musik ein und ahmte mit heftigen Lungenstößen das Auszischen des Dampfes nach. Er putzte und reinigte die Metallteile, bis sie die Sonne an Glanz übertrafen. Sang und putzte und sah strahlend erhoben auf den Ingenieur herab, dessen schlangenhafter Schatten in dem Lichtpfad auf zitternden Steinen zwischen den ruhenden Dynamos unter den Riemen hin- und herhuschte.
Das ging Tag für Tag so. Und drei Wochen hindurch. Und um keinen Schritt waren die Streikenden mit ihren Forderungen näher gekommen.
Der Herr Direktor ging wie ein Pfau umher und rauchte teure Zigarren auf dem Grubenhof. Sein Blick fuhr streichelnd über die festverrammten Tore und über jedes Gebäude. Minutenlang horchte er auf das Brausen aus dem Maschinenhaus und klopfte sich befriedigt auf den Bauch. Denn auf den Höfen lagen noch ungeheure Kohlenvorräte aufgestapelt. Und solange die Pumpen das Wasser in breiten Strömen aus den Schächten hoben und der König und Soldaten waren — — —
Eines Abends belauschte der Ingenieur Erwin Vallotti einen Trupp Ausständiger im Wäldchen, wo sie faul und mutlos im Moos lagen. Man resignierte da: „Solange die Maschinen gehen, gibt der Hund von Direktor nicht nach. Warum haben wir die Heizer nicht auf unserer Seite? Der Streik ist doch auch ihre Sache. Man sollte das Maschinenhaus stürmen und die Lumpenkerle totschlagen. Diese Lumpenkerle,“ — sie spuckten alle geräuschvoll aus, — „die ihren Brüdern in der Verdammnis noch ein Bein stellen, gerade das: ein Bein stellen, denn es ist doch so, wie wenn zwei raufen und ein dritter kommt und stößt den Schwächeren mit dem Fuß unter die Kniekehlen und nimmt dann für die Mühe noch fünf Groschen. Es ist akkurat dasselbe, wie wenn das Schwalbenjunge dem Kuckucksjungen hülfe, die Schwalben aus dem Nest zu schmeißen. Aber man kann die Hunde nicht mehr fassen. Tag und Nacht liegen sie auf dem Werk. Dynamit sollte man legen.“
Der Ingenieur Erwin Vallotti zuckte auf: „Verwirre ich mich denn immer mehr? Geht nicht einer hinter mir, der mit den Knöcheln seiner Finger auf meinen Rücken klopft, so daß ich meine Gedanken aus den Knochen klingen höre? Als Echo einer gewordenen Tat klingen höre: „Dynamit sollte man legen . . . !“
Bin ich denn Gott?
Freilich, der Gott, den unsere Völker zu fühlen glauben, hat ja auch nicht gelernt, der Gott zu sein.