Oh, das Unglück! Oh, das Unglück!

Und die Witwen im schwarzverlogenen Gewand der Trauer, die diesen Ruf gleichgültig hinausmurmelten wie den Perlenfall des Rosenkranzes, zerdrückten in der Linken das Taschentuch und wogen in der Rechten den Goldklumpen der Unfallprämie. Sie wogen und prahlten, bis das Gleißende zum Glück wurde für den neuen Schuft aus der Reihe der Schlafburschen.

Und dann schickten die wiederum Mütter Gewordenen ihre Söhne in den Schacht hinunter. Und es dünkte ihnen eine große, unverdiente Gnade, wenn der Grubendirektor Brot gab für die hungrigen Mäuler. Denn der Schatten des Hungers lag wuchtender auf den paar aussätzigen Hütten am Fluß, als der hagelwolkige Vorübergang einer Katastrophe, die eigentlich nur die Fenster zum Klirren brachte und ein paar Gänge zum Kirchhof mehr.

Niemand im Dorf glaubte an die Brandopfergier des Baals. Kein Gatte, Sohn, Bräutigam, Kostgänger war ihnen ein dem Baal Geweihter. Vorbestimmt war diesen nur jenes sanfte Hinüberschlummern zwischen den Kissen des Ehebettes. Aller Tod, der anders kam, war ein Unglück. Oder ein Zufall, wie die Aufgeklärten meinten.

Und die, die auf das Kreuz des Alltags genagelt, hinunterfuhren in die verfluchten Bezirke der Fron und Station an Station durchwanderten, da einen Arm, dort ein Bein ließen, fürchteten den Hunger maßloser als die fünf Bretter des Sarges. Nicht einen Augenblick dachten sie bei dem zerfetzten Kadaver eines Kameraden an die Möglichkeit, an gleicher Stelle zu liegen. Heute oder morgen. — Oh ein Unglück! Ein Unglück! Nichts weiter.

Und das Opfer in den hakigen Klauen des Baals, reißt es nicht das Maul auf zum Schrei: „Oh ihr Brüder: das Unglück! Das Unglück!“

Und die diesen Schrei hören, sind sie nicht ein furchtbares Echo, das das Bersten und Krachen der Planken übertönt wie ein Orkan?

Aber alle, die es auffangen dort oben im weißen Dunst des Tages, blasen es weiter in die stumpfe Melodie des Trauermarsches: Oh das Unglück! Das Unglück!

Das schnurrt der Pfaffe am Massengrab nach. Die Mütter und Witwen und Töchter verdrehen die Augen, die nicht weinen wollen und krümmen die Rücken ein paar Tage lang. Dann entklafft ihrem Schoß ein Neues und wird Unglück, das sie nicht wissen wollen.

Und doch war einer in dieses Dorf gekommen, den man alsogleich zum Opfer bestimmte. Obwohl er das Schandmal des Unglücks an der Stirn trug wie eine aufgebrochene Schwäre, bekam er seinen Tod zugewiesen. Und die, die ihn hielt, war nicht untertänig wie Abraham, da er Isaak opfern ging. Das brachte ihn nun in eine allzuschiefe Stellung zu den wichtigsten Dingen dieses Lebens, wiewohl seine Mutter dagegen ankämpfte mit den Instinkten eines Raubtiers.