Schon daß Fredrik als eine Frühgeburt just in dem Augenblick zur Welt kam, da man seinen Erzeuger ins Haus brachte: schwarz, entstellt und rotgeschunden, gab ihm eine Sonderstellung inmitten des großen Haufens.

Und dieser unabgestempelte Vater hinterließ ihm nicht einmal seinen Namen. Denn die Hochzeit, die jene zwei, die sich erkannt hatten, zusammenkoppeln sollte nach dem Gesetz, stand erst vier Wochen nach dem Unglücksfall an. Einen Toten aber mit einer Lebenden zu verbinden, war derzeit noch nicht gestattet.

Das zerstach der jungen Mutter das Herz, und sie haßte hinfort den Mann, der solches heraufbeschworen hatte. Sie haßte diesen Mann über das Grab hinaus und sie haßte seine Hantierung.

Sie gab dem Jungen die Brust und harte Pellkartoffeln, die sie dem Amtmann stahl, bei dem sie bedienstet war, und sie übertrug auf den Bastard alle Zärtlichkeiten, die sie Israel, dem Geliebten, schuldig geblieben war.

Fredrik wuchs auf wie die anderen Würmchen, trotzdem die hohe Obrigkeit allerhand Schwierigkeiten machte, ihm die Türchen ins Dasein aufzusperren.

Tags war er im Spital bei der Muhme. Und die alten Klatschmühlen, die mit auf der Stube waren, rissen ihn dutzendmal aus der Wiege und betasteten den Körper, um irgend etwas Besonderes zu entdecken. Denn daß Fredrik dem Vater nachmußte, stand sicherlich irgendwo auf der Haut geschrieben. Und sie fanden auch nach langem Suchen einen dunklen Fleck auf dem rechten Oberarm, der sah aus wie zwei gekreuzte Schlägel.

Die junge Mutter war verzweifelt, wenn sie solches gewahrte, und entriß das Kind den Triefaugen der Hexen, um sich mit ihm in eine dunkle Ecke zu verkriechen.

Und wenn dann Fredrik aufkrähte unter dem warmen Strom der Sättigung, hob sie ihn empor und ging in der Stube herum wie eine Siegerin: „Seht, was für ein gesundes Jungchen! Mein Jungchen hat gerade Arme und gerade Beinchen. O, was für ein gesundes Jungchen. Aber in die Grube soll mein Jungchen doch nicht!“

Die Spitalweiber ließen sich aber nicht bereden.

„Der Vater wird ihn schon holen kommen, Antje. Du mußt ihn doch einen Bergmann werden lassen. Ja, ja, der Vater wird ihn schon holen.“