Da brauste der Ingenieur Erwin Vallotti auf: „Aber nun hören Sie mal. Gewiß ist das ein Kampf. Ein Bazillenkampf. Ihre Brüder hungern. Ihre Brüder finden das Hungern unbehaglich. Sie vereinigen sich, um sich das Brot, d. h. die Produktion zu erkämpfen. Sie sagen Mord? Nun, wenn Kampf einmal im Gange ist, hagelt es auch Hiebe. Und wenn Brotläden gestürmt werden, hol’ der Henker den, der umherfackelt und von den Lilien auf dem Felde faselt. Es wird ja nicht nach Formen und Billigkeit gefragt, sondern nach Macht und Konjunkturen. Rechtmäßig heißt jeder Streik, der gelingt. Und dieser Streik wird und muß gelingen, weil er sozial und ein Kraftmesser ist.“

Vildrac spreizte die Hände. In seinen Mienen jagten sich Abwehr und Angst. Keifte Unverständliches und kroch wie ein verprügelter Hund unter die Riemen.

Der Ingenieur Erwin Vallotti hingegen stand mit geballten Fäusten. Ein Verödendes lief über sein Denken. Er wurde fast irre in der Wut darüber, daß jener, ein Vernarrter, da war und sein Haus beschrie. Einer da war, der nicht fühlte, daß die große Quelle des Neuen draußen unter den Brüdern herausgebrochen ist, die schon lebte in ihrer dem Tode abgekehrten Art. Ihre Sache ist Zweck und ihre Seele Lust. Frei freute diese sich erst, wenn keiner der Beteiligten mehr unentwickelt im Knäuel der primären Triebe läge, wenn nicht mehr lebende Möglichkeiten von Menschen aus dem Meere des Goldes hinausgeworfen wären auf den Strand der Not.

In diesen Gedankengängen kam der Ingenieur Erwin Vallotti dazu, ein Signal zu geben. Und sein Wille konzentrierte sich vorerst auf die große Maschine, die Ursache war, daß unter den Brüdern Unlust und Untätigkeit verheerend kroch. Und eine Eingebung versetzte ihn in einen Zustand freudiger Erregung.

IV

In der Nacht auf den Tag, da zweihundert Streikbrecher unter Begleitung von Gendarmen ins Dorf gekommen waren, gingen alle drei Dynamomaschinen. Die Förderkörbe stiegen auf und ab und in den Paternosterwerken lärmten die eisernen Schieber. Vildrac und der Ingenieur Erwin Vallotti waren allein in dem Maschinenhaus. Ihre schwarzen Schatten standen riesengroß auf den weißen Wänden. Die Bogenlampen schwammen wie in Blut, und die großen Regulatoren zerspritzten das Purpurne mit rasendgeregten Drehungen. Die Pistons ächzten unruhig einem Unfaßbaren entgegen. Durch die Fenster zwängte sich der Flor der Nacht und trieb die Außenwelt weit hinaus.

Vildrac hockte wie ein Götze auf der Plattform, und unter ihm sausten die öligen Drahtseile wie Befehle aus seinen Händen entsprungen. Die Ringe unter den Kupferbürsten liefen durch sein Gehirn, das von jeder Runde das geschöpfte Wasser zu messen schien. Der dumpfe Ton des Tumultes klang ihm wie eine Bestätigung.

Der Ingenieur Erwin Vallotti pendelte mit unruhig gelängten Schritten durch den ungeheuern Raum. Als er aber an den Schalttafeln hantierte, ließ ihn Vildrac nicht mehr aus den Augen. Eine erträumte Ahnung quoll die weißverzerrten Äpfel wie Knollen aus den Höhlen vor. Plötzlich vereinte sich dem ahnend Erdachten, zu dem ihm Hellsehen stieß, eine Tat. Er hörte etwas einschnappen und sah, daß die Armatur ihren Lauf veränderte. Kurzschluß!

Der Ingenieur Erwin Vallotti stand am Fenster und rührte sich nicht.

Da kroch Vildrac von der Plattform und untersuchte den Draht. Er ächzte und stöhnte dabei. Hielt Schläge aus, die vom Strom sprangen, und näherte sich befriedigt der Endung, als die Armatur plötzlich zurücksprang und den Körper hochriß.