»Schade, dass wir der Entwicklung des Knotens nicht ungesehen beiwohnen können,« meinte Karl, »der Ring des Gyges wäre jetzt gar nicht übel.«

»Es ist noch die Frage, ob wir nicht ohne diesen zurecht kommen,« warf Rupert hin; doch selbst er wurde ein wenig verlegen. »Bei schönem Wetter hält sich Fräulein Balogh meist im Garten auf und empfängt auch dort ihre Gäste.«

»Und da belauerst du sie ohne Zweifel in euerem Gartenhause an der Mauer! Höre Ahlfeld, du bist ein noch grösserer Thunichtgut, als ich vermuthet,« rief Karl bewundernd.

Wie die drei Verschworenen aus einer Operette steckten wir am nächsten Nachmittage in dem windschiefen Gartenhäuschen, dessen Dielen zu unsrem Aerger bei jeder Bewegung verrätherisch knarrten. Wir konnten das Schlachtfeld genau übersehen. Kaum zehn Schritte von uns entfernt sass Fräulein Ilona mit einer Handarbeit unter einem Kastanienbaume; sie war um einen Schatten blässer als gewöhnlich und sah für einen Aprilspass ungemein ernsthaft aus. Ueber den Kiespfad kam der Blasengel mit einem Gesicht heran, das den lieben Herrgott zu fragen schien »was kostet deine Welt?« Das Fräulein hielt wie in grosser Befangenheit die Augen auf die Arbeit gesenkt, die Röthe, die auf ihrem Gesichte kam und ging, hätte jeden glauben machen können, ein wirklich verliebtes Mägdlein erblicke den Erkorenen ihres Herzens.

»An ihr ist eine grosse Schauspielerin verloren gegangen,« flüsterte Rupert entzückt.

»Sie spielt zu gut,« murrte ich, »sein Sturz aus der Höhe wird fürchterlich sein.«

Darüber entgingen uns die ersten Worte der Begrüssung. Das Pärlein sass nebeneinander auf einer Gartenbank. Die Sonne machte sich das Vergnügen, ihnen goldene Funken auf das Haar zu streuen, hie und da fiel tanzend ein Blatt vom Baume herab; das sah sehr hübsch und friedlich und für Maleraugen ganz anziehend aus, aber mir bereitete der Anblick keinen Genuss, denn ich – eine ins männliche übertragene Kassandra – sah das Unheil unter dem Kastanienbaum brauen.

»Ich bin glücklich, dass Sie mir diese Unterredung gewähren, Fräulein Ilona,« begann Hugo, bei weitem nicht so zaghaft, wie ich vorausgesetzt; (wir hatten es uns ja auch angelegen sein lassen, ihm durch die deutlichsten Beweise ihrer Neigung die Flügel zu steifen).

»Warum hätte ich Ihre Bitte abschlagen sollen?« erwiderte sie, »freue ich mich doch selber, Ihnen endlich meinen Dank für die schönen Blumen aussprechen zu können, mit welchen Sie mich jeden Morgen überraschten.«

Wir sahen einander starr an; – welche Idee, für Blumen zu danken, die sie nie bekommen!