»Wer hat es Ihnen verrathen, dass volle, rothe Rosen meine Lieblinge sind?«
»Ich dachte an Ihre Landsmännin, die heilige Elisabeth«, sagte er vergnügt.
»Und ich konnte zum Danke dafür, dass Sie der Fremden in Ihrer Stadt so viel anheimelnd Freundliches erwiesen, nichts für Sie thun.«
»Nichts?« fragte er vorwurfsvoll und fuhr unwillkürlich mit der Hand nach der Brusttasche, in welcher der gekaufte Haarsträhn samt Bändern und Blümelein ohne Zweifel wohlgeborgen ruhte. Mit Falkenaugen folgte sie seiner Bewegung.
»O, ich vergass; was war es nur? eine Haarlocke, eine Schleife und dergleichen, nicht wahr?«
Wir konnten von unsrem Versteck aus beobachten, wie sich dunkle Röthe über ihr Gesicht ergoss und sie die Hand in den Kleiderfalten zu einer Faust ballte. Das galt uns. Diesen Theil der Historie hatte Rupert nicht für gut befunden, ihr zu enthüllen.
»Ilona, wissen Sie, welche Deutung ich Ihren Andenken gab?«
»Ich weiss es; wenn ein Mädchen, ohne Einspruch zu erheben, sich die stumme und doch so beredte Huldigung eines Mannes gefallen lässt, wenn sie monatelang seine Blumen annimmt und ihn sogar durch kleine Liebespfänder aufmuntert, dann ist sie entweder eine Gefallsüchtige und nicht werth, dass ein Mann einen Gedanken an sie verschwende, oder –«
»Oder?« jubelte Hugo, »sprich es aus, Geliebte!«
»Oder sie erwidert seine Neigung.«