»Sie haben g'wiss viel schöne Damen g'malen?« fragte sie mit einer Regung der Eifersucht.
»Du meinst ja wohl Damen im Sonntagsputz?« versetzte er, sich der eiteln Regung der Kleinen erinnernd. »Da fällt mir ein, wann willst du mir denn in deinem besten Staat sitzen?«
»Auf der Stell', i kleid' mi nur um«, sprach sie und verschwand im Hause, klugerweise aber, ohne das Gastzimmer zu betreten; aus dem Flur führte die Treppe in ihr Zimmerchen. Die Fragen des Thalhofers wären unbequem gewesen. Nach einer Weile kam sie wieder, mit einer Näherei in der Hand.
»Blitz, siehst Du sauber aus!« rief Teubner, die Künstleraugen voll ehrlicher Bewunderung auf ihr verweilen lassend. »Ich bin sicher, die »Haiderose« wird ebenso viel Erfolg haben, wie – wie dein früheres Conterfei. Vielleicht verhilft sie mir zu all' den übrigen guten Dingen, die ich mir noch für's Leben wünsche. Dem »Unkraut am Wege« verdanke ich ein schönes Atelier, freundliche Kritiken und dass ich mit etlichen Münzen in der Tasche klimpern kann. Und wenn das Glück mir wohl will, dann«, er brach ab und blickte auf einen einfachen Ring an seinem Finger. »Was hast Du?« fragte er auf einmal aufsehend.
»I' hab mi g'stochen«, sagte sie mit völlig veränderter Stimme, die Nadel war ihr bei einer heftigen Bewegung in den Finger gefahren, ein Blutstropfen fiel herunter, sie seufzte tief auf. Fritz Teubner schüttelte den Kopf über das wehleidige Bauernmädchen, das ganz verstört über einen Nadelstich erschien. Da war die kleine zarte Nachbarin, deren Ring er am Finger trug, standhafter. Tagaus, tagein handhabt sie die Nadel bis zu einem gewissen glücklichen Tage, den Cenz's Bild näher rücken soll. Eifrig führt der Maler den Stift.
Der Thalhofer Franz tritt zu der Gruppe im Hofe.
»Madel, was hast?« fragt er erschrocken, »Du wirst doch net krank wer'n. Lass Dir rathen und geh in's Haus. Bei derer Hitz'n ist's net gut draussen sein.«
Merkwürdig wohl thut ihr seine Sorge, und dankbar sieht sie den ehrlichen hübschen Jungen an.
»Mir is nix«, sagte sie, »aber i denk', i lass, wenn's Ihnen recht is, das Sitzen auf ein ander Mal.« Fritz ist's zufrieden. Er hat denn auch im Lauf der Tage, während er im Dorfwirthshaus sein Quartier aufgeschlagen, das Bild vollendet. Mit Crescenz schloss er gute Freundschaft; sie hat die ganz ausführliche Geschichte von der kleinen hübschen Nachbarin, von dem Ring und wie und wann er ihn bekommen, aus seinem Munde gehört. Wie tief sie diese Geschichte ergriff, hat er nicht erfahren. Das Unkraut war übrigens ein tapferes Mädchen geworden und wusste seine aussichtslose und ein wenig lächerliche Neigung zu bekämpfen. Als ein Jahr nachher Fritz Teubner mit seiner jungen Frau in das Dorf zur Sommerfrische kam, ging es gerade hoch her im Kreuzwirthshaus. Das hübscheste Mädchen im Orte, Crescenz Hellgruber, feierte ihren Verspruch mit dem jungen Thalhofer. »Man soll si nix verreden«, sagte die Wirthin zum Pfarrer, »jetzt hab' i an dem Unkräutl doch mei Freud erlebt. So brav ist's worden, dass i mir wünsch, meine Madeln sollen ihr nachgerathen.«