Dieser schwieg, wie ein überführter Verbrecher, der auf die Verteidigung verzichtet.

»Und Lucas? Schläft er?« fragte er nach einem Augenblicke.

Wir müssen hier noch bemerken, daß der Corregidor, wie alle Zahnlosen, eine unbestimmte, zischende Aussprache hatte, wie wenn er seine eigenen Lippen äße.

»Ja, freilich,« antwortete die Seña Frasquita. »Um diese Zeit, da schläft er, wo es ihn gerade überfällt und wäre es am Rande eines Abgrundes.«

»Nun höre, so laß ihn schlafen,« rief der alte Corregidor aus und wurde noch bleicher, als er schon von Natur war. »Und du, meine liebe Frasquita, höre einmal ... sieh... komm her... Setze dich hierher, so, an meine Seite. Ich habe dir viele Dinge mitzuteilen.«

»Da sitze ich,« antwortete die Müllerin, ergriff einen niedrigen Stuhl und setzte ihn in ganz geringer Entfernung von dem des Corregidors nieder.

Sobald Frasquita sich gesetzt hatte, legte sie ein Bein über das andere, bog den Körper ein wenig vor, stützte einen Ellbogen auf das übergeschlagene Knie und das frische, schöne Gesicht auf eine ihrer Hände, und so, den Kopf ein wenig zur Seite geneigt, mit lächelnden Lippen, wobei alle fünf Grübchen in Thätigkeit kamen, und die heiteren, reinen Pupillen auf den Corregidor geheftet, erwartete sie die Erläuterung Seiner Gnaden. Wahrhaftig, man konnte sie mit Pamplona vergleichen, welches das Bombardement erwartet.

Der arme Mann wollte sprechen, aber vor dieser grandiosen Schönheit, vor dieser strahlenden Anmut, vor jener schrecklichen Frau mit der Alabasterhaut, den üppigen Formen, dem reinen, lachenden Munde, den blauen, unergründlichen Augen, die der Pinsel eines Rubens erschaffen zu haben schien, blieb er mit offenem Munde wie behext sitzen. »Frasquita!« murmelte endlich der Abgesandte des Königs mit schwacher Stimme, während sein vertrocknetes Gesicht, das sich in Schweiß gebadet von seinem Buckel abhob, eine unsägliche Qual ausdrückte, »Frasquita!«

»So heiße ich,« antwortete die Tochter der Pyrenäen. »Sie wünschen?«