»Na, na, komm nur herunter und hilf mir Sr. Gnaden reinigen, er ist ja ganz mit Staub bedeckt,« rief die Müllerin aus.

Und während der Tio Lucas herunterkletterte, sagte sie zu dem Corregidor, indem sie ihm mit der Schürze den Rock abstäubte, wobei mancher Schlag die Ohren traf:

»Der Arme hat gar nichts gehört... der hat wie ein Klotz geschlafen.« Diese Worte und mehr noch der Umstand, daß sie mit leiser Stimme zu ihm gesprochen wurden, dadurch Mitwissenschaft und Geheimnis andeutend, brachten eine wunderbare Wirkung hervor. »Du Schelm! Du Trotzkopf!« stammelte Don Eugenio de Zuñiga mit wässerndem Munde, aber doch noch scheltend.

»Ew. Gnaden hegen doch keinen Groll gegen mich?« entgegnete die Navarresin arglistig schmeichelnd.

Als der Corregidor wahrnahm, daß die Strenge einen so guten Erfolg hatte, versuchte er die Seña Frasquita recht wütend anzusehen; aber da traten ihm ihr verführerisches Lächeln und ihre himmlischen Augen, in denen eine liebkosende Bitte glänzte, entgegen — all sein Zorn schmolz sofort dahin, und mit süßlichem Ton, bei dem man erst recht den vollständigen Mangel an Zähnen entdeckte, sagte er: »Das hängt von dir ab, mein Schatz!«

In diesem Augenblicke sprang Tio Lucas von der Laube auf den Boden.


12.
Zehnten und Erstlinge.

Als der Corregidor seinen Stuhl wieder eingenommen hatte, warf die Müllerin einen flüchtigen Blick auf ihren Gatten und sah ihn nicht nur so ruhig wie immer, sondern daß er auch große Lust hatte, über diesen Einfall vor Lachen zu bersten; im ersten Augenblicke, in dem sie sich vom Corregidor unbeachtet glaubte, warf sie ihm eine Kußhand zu und sagte dann mit einer Sirenenstimme, um die Kleopatra sie beneidet hätte, zu diesem: