Im Hofe stand ein Dach über einer großen Krippe, an der sechs oder acht Reittiere verschiedener Rasse, aber alle dem schwachen Geschlecht angehörig, angebunden waren; die Pferde, Maultiere und Esel vom starken Geschlecht hatten ihren eigenen Schuppen in einem benachbarten Lokal.
Der Mann band eine noch ganz gesattelte Eselin los und ging, diese am Zügel nach sich ziehend, nach der Thür des Hofes, schob die Vorlegestange zurück, schloß das sie haltende Schloß auf, öffnete vorsichtig die Thür und war mitten auf dem Felde.
Dort angekommen, bestieg er die Eselin, drückte ihr die Fersen in die Flanken, und wie ein Pfeil flog er in der Richtung der Stadt dahin, aber nicht auf der offenen Fahrstraße, sondern über Saaten und Gräben, wie wenn er sich vor einem unangenehmen Zusammentreffen hüten wollte. Es war der Tio Lucas, der sich nach seiner Mühle begab.
19.
Stimmen in der Wüste.
»Mir sollt ihr nur mit Alkalden kommen,« sagte der Murcianer, »ich bin aus Archena. Morgen früh gehe ich zum Herrn Bischof, um allem zuvorzukommen, und werde ihm alles erzählen, was heute Nacht hier vorgekommen ist. Mich mit solcher Eile und so geheimnisvoll rufen zu lassen, und zu einer so Angehörigen Stunde, mir zu sagen, daß ich allein gehen soll, mir vom Dienst des Königs und von Falschmünzerei, von Hexen und Kobolden zu sprechen, um nachher zwei Gläser Wein zu trinken und mich zu Bett zu legen. Es kann gar nicht klarer sein! Garduña hat diese Instruktionen von seiten des Corregidors nach dem Dorfe bringen müssen, und zu dieser Stunde hat der Corregidor schon den Feldzug gegen meine Frau eröffnet. Wer weiß, vielleicht treffe ich ihn, wie er an die Thür der Mühle klopft! Wer weiß, vielleicht treffe ich ihn schon darin... Wer weiß... Aber, was sage ich denn da! Ich an meiner Navarresin zweifeln? O, das hieße sich an Gott versündigen. Unmöglich, daß sie... Unmöglich könnte meine Frasquita... Unmöglich! — Aber was rede ich denn so dumm. Ist denn irgend etwas unmöglich auf der Welt? Hat sie sich doch mit mir verheiratet, obgleich sie so schön ist, und ich so häßlich bin!«
Und als er diese letzte Bemerkung machte, fing der arme Bucklige an, bitterlich zu weinen...
Um sich wieder ein wenig aufzuheitern, hielt er sein Tier an, trocknete seine Thränen, seufzte tief auf, zog seine Gerätschaften zum Rauchen hervor und machte sich eine Cigarette von schwarzem Tabak zurecht. Dann nahm er Feuerstein, Zunder und Stahl, und nach einigen Schlägen gelang es ihm, Feuer zu erhalten.
In diesem Augenblicke hörte er das Geräusch von Schritten in der Gegend der Landstraße, die ungefähr einige dreihundert Ellen davon entfernt war.