So ritt Tio Lucas fort durch Felder und Büsche, bis er endlich etwa gegen elf Uhr nachts ohne besondere Zufälligkeiten an der großen Thür der Mühle anlangte. Verdammt! die Thür der Mühle stand offen.


20.
Zweifel und Wirklichkeit.

Sie stand offen, und er hatte beim Fortgehen seine Frau dieselbe mit Schlüssel, Vorlegstange und Schloß schließen hören!

Folglich hatte auch nur seine Frau dieselbe öffnen können!

Aber wie? wann? warum? Infolge einer Täuschung? infolge einer Ordre? Oder wohlüberlegt und freiwillig, kraft einer vorhergegangenen Übereinstimmung mit dem Corregidor?

Was würde er sehen? Was würde er erfahren? Was erwartete ihn im Innern seines Hauses? War er mit der Seña Frasquita geflohen? Hatten sie ihm dieselbe geraubt? Wäre sie am Ende gar tot? Oder würde er sie in den Armen seines Rivalen finden?

»Der Corregidor hat darauf gerechnet, daß ich heute die ganze Nacht hindurch nicht nach Hause kommen würde,« sagte Tio Lucas düster. »Der Alkalde des Ortes wird wohl Befehl erhalten haben, mich eher in Fesseln zu schlagen, als mir die Rückkehr zu gestatten. Wußte Frasquita all das? War sie an dem Komplott beteiligt? Oder war sie das Opfer eines Betruges, einer Vergewaltigung, einer Nichtswürdigkeit?«

Der Unglückliche brauchte nicht mehr Zeit, um alle diese grausamen Bemerkungen zu machen, als die, welche nötig war, um den Platz unter der Weinlaube zu durcheilen.