»Ich werde auf einem anderen fortfahren,« sagte ein Alguacil, der die Unterbrechung benutzte, um sich des Wortes zu bemächtigen. »Der Tio Lucas, der uns, als er ins Haus trat, mit seinem Anzuge und seiner Art und Weise zu gehen, so gut angeführt hatte, daß wir ihn alle für den Corregidor hielten, war gewiß nicht mit guten Absichten gekommen, und wenn die Señora nicht wach gewesen wäre... Stellen Sie sich nur vor, was da hätte passieren können«...

»Na ja, schweig' doch nur!« unterbrach ihn die Köchin. »Du sagst nichts als Dummheiten. Ja, Seña Frasquita, um seine Anwesenheit im Schlafzimmer der Herrin zu erklären, mußte er den Zweck bekennen, der ihn hierher geführt. Natürlich konnte die Herrin, als sie es hörte, sich nicht enthalten, ihm einen Schlag auf den Mund zu geben, so daß ihm die Hälfte der Worte im Halse stecken blieben. Ich selbst habe ihn mit Schmähungen und Schimpfworten überhäuft und wollte ihm die Augen auskratzen. Denn das wissen Sie ja, Seña Frasquita, wenn es auch Ihr Mann ist, aber wenn man mit solchen Absichten«...

»Du bist eine alte Schwätzerin!« rief der Portier und stellte sich vor die Rednerin. »Was hättest du denn thun wollen? Hört mich, Seña Frasquita, und kommen wir zur Sache. Die Señora sagte und that alles, was sich gehörte, aber als sich ihr Ärger etwas abgekühlt hatte, bemitleidete sie den Tio Lucas, dachte über das schlechte Betragen des Herrn Corregidors nach und sprach diese oder ähnliche Worte: ›Wenn auch Euer Gedanke sehr nichtswürdig gewesen ist, Tio Lucas, und ich Euch diese Unverschämtheit nie verzeihen kann, so müssen Eure Frau und mein Mann doch ein paar Stunden lang glauben, daß sie sich in ihren eigenen Netzen gefangen haben und daß Ihr, unterstützt durch Eure Verkleidung, Schmach mit Schmach vergolten habt. Wir können uns nicht besser an ihnen rächen, und die Täuschung ist so leicht, daß wir sie aufklären können, wenn es uns paßt.‹ Als die Señora diesen witzigen Entschluß gefaßt hatte, lehrte sie und Tio Lucas uns, was wir zu sagen und zu thun hätten, wenn Se. Gnaden zurückkehrte; und dem Sebastian Garduña habe ich einen solchen Schlag aufs Hinterteil versetzt, daß er die St. Simon- und St. Judas-Nacht nicht sobald wieder vergessen wird.«

Schon seit längerer Zeit, noch während der Portier sprach, flüsterten sich die Corregidora und die Müllerin gegenseitig in die Ohren, umarmten und küßten sich alle Augenblicke und konnten verschiedene Male das Lachen gar nicht verbeißen.

Schade! daß man nicht hörte, was sie sprachen. Aber der Leser wird es sich wohl ohne große Mühe denken können, und wenn nicht der Leser, so doch die Leserin.


35.
Kaiserliches Dekret.

In diesem Augenblicke kehrten der Corregidor und der Tio Lucas, jeder in seinen eigenen Kleidern, in den Saal zurück.

»Jetzt ist die Reihe an mir,« sagte der erlauchte Don Eugenio de Zuñiga eintretend.